Als Bundenthal noch Bundenthal hieß und Bruchweiler noch Bruchweiler, war die Welt in Bundenthal noch in Ordnung. Bis aus den zwei Dörfern Wieslautern wurde.

/ Von Margrit Gerste

Dies ist die Geschichte zweier Dörfer tief im Pfälzischen, nahe an der Grenze zum Elsaß. Bundenthal hieß das eine. das kleinere, Bruchweiler das andere. Bis aus zweien eins wurde, das den Namen Wieslautern bekam.

Das war in den sechziger Jahren, als Politiker jeglicher Couleur fortschrittsgläubig und wachstumsfreudig größer gleich besser setzten und abhoben, um die Landkarte neu zu schreiben. Sie nannten das Verwaltungsreform und versprachen "Gemeinden neuen Typs", die leistungsfähiger sein sollten und bürgernaher.

Die nüchterne Absicht aber setzte nun eine gar leidenschaftliche Geschichte in Gang, eine Geschichte, in der von Liebe und Stolz, von verletzten Gefühlen und Ohnmacht zu erzählen ist, welche erst Wut und Trauer, dann Resignation und schließlich wundersame Kräfte reifen ließ.

Ja, es stimmt, in einer gewissen Weise ist es die Geschichte einer Ehe. Denn auch hier ist von Herz und Schmerz die Rede, oder modischer: von Identitätsverlust – der Name ist hin, die Selbständigkeit. Unverstanden fühlt sich der kleinere, schwächere Part in seiner "ganz anderen Mentalität", er will raus aus der Sache um jeden Preis, der größere, mächtigere, will es nicht, um keinen Preis. Fest aber steht: Die Ehe ist total zerrüttet, einer spielt überhaupt nicht mehr mit, doch es findet sich keiner, der sie trennt.

Trotz der lebensnahen Analogie ist die bewegte Geschichte dieser zwei Dörfer zunächst nicht zu verstehen. Man wundert sich: Ganze drei Minuten braucht der Bus von Bruchweiler, das jetzt Wieslautern 1 heißt, bis Bundenthal oder Wieslautern 2. Nicht einmal drei Kilometer ist die gemeinsame Hauptstraße lang, schwupp, bist du durch mit dem Auto, hast abgrundtiefe Gräben und haushohe Mauern nicht bemerkt.