Im umstrittenen Bereich der Nato-Infrastruktur werden sie das schwerlich so rasch tun. Dort hatte sich Wörner mit seinem amerikanischen Kollegen Weinberger während der Brüsseler Mai-Tagung der Nato heftig angelegt, gegen bessere Einsicht anlegen müssen: Wieviel soll die Bundesrepublik dafür zahlen, daß die weitgehend in ihrem Boden verlegten Nato-Pipelines funktionstüchtig erhalten werden? Wieviel, damit amerikanische Flugzeuge, die im Ernstfall nach Westdeutschland verlegt werden, wenigstens splittersichere Bunker bekommen? Die Nato-Infrastruktur ist für die Verteidigungsfähigkeit des Bündnisses so wichtig wie Waffen und Munition. Es geht, vereinfacht ausgedrückt, um all das, was die Waffen erst einsatzfähig macht: Nachschub, Vorratshaltung, Depots und Schutzbauten. Das kostet, auf den Anteil der Bundesrepublik umgelegt, annähernd sechs Milliarden Mark.

Die Bundesrepublik zahlt zusammen mit den USA den Löwenanteil am Nato-Infrastruktur-Programm. Aber sie profitiert auch am meisten, weil die Arbeiten dafür vorwiegend auf westdeutschem Staatsgebiet erbracht werden – von deutschen Unternehmen und Arbeitnehmern.

Und gerade hier leistet die Bundesregierung immer noch Widerstand – mit den schwächsten Argumenten. Der Bundeskanzler hatte Wörners Verhandlungsspielraum von vornherein so eng begrenzt, daß ein Kompromiß ausgeschlossen war – obgleich ein Bonner einlenken manche amerikanische Kritik aufgefangen hätte. So mußte denn bei Wörners Gesprächspartnern in Washington zwangsläufig die Frage aufkommen: Wieviel Durcnsetzungsvermögen hat dieser Minister, dem sie einst so viel zugetraut hatten und der anfangs so selbstsicher aufgetreten war? Worüber können wir mit ihm sinnvoll verhandeln? Wie sehr das politische Gewicht des Bundesverteidigungsministers durch die Kießling-Affäre gelitten hat, das war auch bei seinem Besuch in Washington zu spüren.