DIE ZEIT

Schuß vor den Bug

Die Regierung des Bundeskanzlers Helmut Kohl wird in Zukunft nicht mehr behaupten können, sie sei vor dem Bundesverfassungsgericht besser weggekommen als ihre sozialliberalen Vorgängerinnen unter Willy Brandt und Helmut Schmidt.

Wann stürzt das Kartenhaus ein?

In Lateinamerika wird eine Herausforderung sichtbar, die für die Zukunft der westlichen Welt und das Verhältnis zwischen Nord und Süd entscheidend werden kann: die Herausforderung der Schuldner im Süden an die Gläubiger im Norden.

Auto ja, Abgas nein

Die Diskussion um sauberere Auto-Abgase hat groteske Züge angenommen. Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann nennt den Kabinettsbeschluß zur Einführung des bleifreien Benzins vom 1.

Britische Premierministerin: Am Boden, aber nicht am Ende

Die Tage, da sie auf den Stufen von Downing Street stehend das fragende Presse-Volk mit der Bemerkung abwimmelte, sie sollten doch lieber einfach jubeln ("just rejoice") – jubeln über ihre, Margaret Thatchers, Erfolge, die sind vorbei.

Zeitspiegel

Trotz der Reiseerleichterungen, die die polnischen Behörden seit kurzem praktizieren, gelangen viele Polen nicht an das gewünschte Reiseziel.

Worte der Woche

"Für uns ist ganz entscheidend, daß zu Beginn einer Legislaturperiode klar festgelegt wird, welche Ministerien und Funktionen wir haben und daher ist es natürlich für uns unverzichtbar, daß wir an den drei Ministerien und der Vizekanzlerschaft festhalten.

Vierzig Jahre ist es her; daß Hitler dem Bombenattentat des Grafen Stauffenberg entkam: die letzte, verzweifelte Tat der Männer des deutschen Widerstandes gegen das Nazi-Regime. Warum handelten sie so spät? Und wie stellten sie sich das neue Deutschland von: Verschwörer gegen das Unrecht

Unsere Bewunderung gilt heute nicht mehr siegreichen Feldherren, erfolgreichen Eroberern oder großen Entdeckern, wie denn überhaupt Heldenverehrung in unserer desillusionierten Welt reichlich überständig wirkt.

Aus Briefen und Gesprächen

"Grüße meine Freunde und sage ihnen, daß meine Stimmung gut und mein Humor ungebrochen ist und daß ich mir eine Ehre daraus mache, in meiner Zelle zu sitzen, solange ich doch kein freier Mann sein kann.

Debatte um die Abtreibung: Was will Heiner Geißler?

Wie bei der Diskussion um die Reform der Reform des Scheidungsrechts geistert durch den heftig wogenden Streit um den Paragraphen 218 das Zerrbild von einer Frau: Dort ist es die kleine Sekretärin, die nach ein paar Ehejahren mit ihrem Chef nun lebenslänglich Unterhalt fordert, um den kurz genossenen hohen Lebensstandard ewig zu genießen; hier ist es die leichtfertige Person, die ohne Unrechtsbewußtsein ein Kind abtreibt, weil sie pflichtvergessen von "familienfeindlicher Selbstverwirklichung und falsch verstandener Emanzipation" träumt.

Wolfgang Ebert: Dicke Luft

Endlich ist doch noch durchgesickert, wie es bei den Dreier-Gipfeln der Parteivorsitzenden wirklich zugeht, einer – F. J. Strauß – hat nämlich geplaudert.

Neuer französischer Regierungschef: Hoher Einsatz

Manchmal kann Lob tödlich sein. Pierre Mauroy mache seine Sache gut, so hatte François Mitterrand noch vorige Woche großzügig befunden und Gerüchte zerstreut, die von einer baldigen Demission des Premiers wissen wollten.

Parlamentswahl in Israel: Die Matadore sind müde

Gäbe es nicht die eine oder andere Entgleisung, die eine oder andere Absonderlichkeit – daß Israel, nur wenige Tage vor der Wahl zur elften Knesset, dem Parlament in Jerusalem, eine Entscheidung über seine Zukunft zu treffen hat, fiele kaum auf.

Polens Oppositionelle vor Gericht: Schauprozeß der Angeklagten

Den Nobelpreisträger, der aus der Nässe kam, ließen die polnischen Behörden weiter im Regen stehen. Vergeblich begehrte Arbeiterführer Lech Walesa in durchweichtem Mantel Einlaß in den Verhandlungsraum des Warschauer Militärgerichts: "Ich weiche nicht.

Neuer General der Ökumene

Fast einmütig wählte der Weltkirchenrat in Genf den 57jährigen Methodistenpfarrer Emilio Castro aus Uruguay zum neuen Generalsekretär.

BONNER BÜHNE: Gummi im Bier

Nun soll die deutsche Reinheit doch der europäischen Einheit geopfert werden. Daß die EG-Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof wahrhaftig Klage gegen jenes ehrwürdige Gebot erhoben hat, demzufolge deutsches Bier allein aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser gebraut werden darf – davon ist Bonn ganz schön verstört worden.

Neuseeland: Sieg der Labour Party

Der Regierungswechsel nach dem unerwartet deutlichen Labour-Wahlsieg in Neuseeland kann die militärpolitischen Gewichte im Südpazifik verschieben.

Noch ein Presselord?

Im Englischen ist "a bouncing cheque" ein ungedeckter Scheck. "The bouncing Czech" dagegen, genauso ausgesprochen, ist Robert Maxwell, der "tschechische Stehauf-Mann", neuer Boß des Daily Minor des Londoner Massenblattes, geboren als Jan Ludvik Hoch in den Karpaten.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Jassir Arafats El Fatah und mehrere linke Palästinensergruppen einigten sich in Algier auf eine gemeinsame kollektive Führung der PLO.

Die Drucker bleiben am Drücker

Szene eins: 3. Mai 1984, 1.30 Uhr. Der Fahrer einer Zeitungsvertriebsfirma braust vor dem Verlagsgebäude der Offenbach Post in eine Gruppe von Streikposten.

Annäherungen an einen Heldengedenktag

Ein Buch ragt aus der Widerstandsliteratur dieses Gedenkjahres hervor. Verleger Günther Neske, im Krieg Ordonanzoffizier des Verschwörergenerals Olbricht, hatte den Einfall, Politiker, Theologen, Schriftsteller, Publizisten, vor allem aber jüngere Zeitgenossen zu fragen, was ihnen der 20.

Agentenprozesse: Drahtzieher im Konsulat

Kaum war das Strafmaß verkündet, da stürzte sich eine Frau aus dem Publikum auf den Angeklagten. "Du Mörder", schrie sie ihm auf serbokroatisch ins Gesicht, "Du wirst Deiner gerechten Strafe nicht entgehen.

Warum Afrikaner Goethe lesen sollen

Die teuerste Ware auf dem Weltmarkt ist nicht Gold noch Diamant, sondern Kultur." Der Satz aus einer Erzählung des nigerianischen Schriftstellers Obi Egbuna wird verwirrend plausibel, wenn wir unter Kultur Lebensverhältnisse verstehen, gesellschaftliche Prägungen.

Immun selbst gegen Dioxin

Die Branche zeigte sich betroffen, zum erstenmal. Kaum war der jüngste Skandal um das Ultra-Chemiegift Dioxin im Hamburger Werk des Ingelheimer Pharmakonzerns C.

Neue Medien: Nicht schlüssig

Haben die Hersteller von Zündhölzern irgendwelche besonderen Rechte, in das Geschäft mit Gasfeuerzeugen einzusteigen? Natürlich nicht, und alles andere wäre ein Skandal.

Polenkredite: Eigeninteresse

Das erste staatliche Umschuldungsabkommen mit der hochverschuldeten Volksrepublik Polen gab es schon 1981. Ein Jahr später folgte das zweite, 1983 das dritte.

CoCom-Liste: Das Sensible

Die Computerexperten der westlichen Industrieländer sind sich weitgehend einig: Es war ein Sieg der Vernunft. Seit acht Jahren verhandeln sie, oft mit harten Bandagen, im Pariser CoCom, dem Koordinierungsausschuß der Industrieländer für den Ost-West-Handel, über eine neue Liste jener Computer, die strategisch von Bedeutung sind und deshalb nicht in den Ostblock ausgeführt werden sollen.

Bonner Kulisse

Die Kritik, die Postminister Christian Schwarz-Schilling wegen seiner Verkabelungs-Pläne einstecken muß, könnte sich bald auf ein weiteres Kabinettsmitglied ausweiten – auf Finanzminister Gerhard Stoltenberg.

Österreich: Altkanzler gegen Ex-Minister

Hannes Androsch, Österreichs Ex-Finanzminister, Ex-Vizekanzler und jetzt Generaldirektor der größten österreichischen Bank, ist in Bedrängnis: In einer großangelegten Untersuchung wird geprüft, ob der ehemalige sozialistische Minister in seiner Amtszeit Steuern hinterzogen hat.

Krauss-Maffei: Kampf um die Waffenschmiede

Dementis gehören zum Geschäft der Konzerne. Als jüngst in der Hauptversammlung der Münchner Flick-Enkeltochter Krauss-Maffei AG der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Werner Kolb aus der Düsseldorfer Zentrale des Flick-Konzerns versicherte, weder gebe es ein Kaufangebot noch seien Beschlüsse gefaßt, die Krauss-Maffei-Aktien zu verkaufen, da nahmen eingeweihte Beobachter dies achselzuckend zur Kenntnis.

Zeit spart Geld

Anlegern mit hoher Steuerprogression empfiehlt die Berliner Bank den Erwerb 4 1/2prozentiger Pfälzische Hypothekenbank Kommunal-Obligationen Reihe 332.

Börsen-Report: Sommerloch

Immer neue Jahrestiefstkurse am Aktienmarkt bei erschreckend geringen Umsätzen kennzeichnen in diesen Tagen die Börsentendenz.

Zeichen setzen

Haussmann: Gelten muß der grundsätzliche Ansatz dieser Koalition: mehr Markt und mehr Wettbewerb. Es ist daher auf Dauer unbefriedigend, wenn sich von den 500 größten Unternehmen der Bundesrepublik 88 in Staatshand befinden.

Japan: Duell der Deutschen

Der Zuwachs in der Vergangenheit läßt sich beim Japan-Geschäft von BMW nicht aufrechterhalten", meinte Mercedes-Importeur Jiro Yanase Anfang des Jahres auf die Frage, ob die Bayern Daimler-Benz in Nippon davonfahren könnten: "Ich rechne damit, daß BMW 1984 etwa gleich viel Wagen absetzen kann wie im letzten Jahr.

MANAGER UND MÄRKTE

Vor der Hauptversammlung des Unternehmens in Berlin sagte Vorstandschef Heinz Ruhnau: "Das erste Halbjahr signalisiert, daß wir den Erfolgskurs fortsetzen werden und wenn nichts Außergewöhnliches geschieht, dann wird 1984 ein gutes Lufthansa-Jahr".

Ein Rechnungshof macht Bildungspolitik

Die Rechnungsprüfung in Deutschland kommt aus dem Absolutismus. Seit dem frühen 18. Jahrhundert sollte sie, auf Nebengebieten des Staates tätig, mit den Methoden der Visitation, Revision und Inquisition für Sparsamkeit sorgen.

+ Weitere Artikel anzeigen