Pro Contra

Geschwindigkeitsbeschränkungen (I)

Der Streit geht um "Geschwindigkeitsbeschränkungen". Aber damit beginnt das Denken bereits sich zu verwirren. Es ist etwas ganz anderes, ob man Tempo 30 in Wohngebieten fordert oder Tempo 80 auf Landstraßen oder Tempo 130, 120, 100 auf Autobahnen. Die Sache wird noch weiter kompliziert durch die vielen Ziele, die mit den drei verschiedenen Geschwindigkeitsbeschränkungen erreicht werden sollen: Sparen von Treibstoff, Reduzieren von Belästigungen durch Lärm und verpestete Luft, Rettung des Waldes, Schutz von Menschenleben. Deswegen behandeln wir das Thema in drei Teilen.

Pro:

1. Bei Tempo 30 gibt es weniger Abgase als bei Tempo 50.

2. Der Krach der Autos, die angeblich mit 50, aber meistens eben schneller durch Wohngebiete fahren, ist nicht auszuhalten.

3. Wenigstens schwere Lastwagen sollte man in Wohngebieten verbieten.

4. Leute, die in Villenvororten leben, können da nicht mitreden.

Pro Contra

5. Wenn sie sich erst mal an das langsame Fahren gewöhnt haben, finden alle es sehr beruhigend...

6. Tempo 50 ist zu schnell, als daß ein Autofahrer vor einem plötzlich auf die Straße laufenden Kind oder einem sich unerwartet verhaltenden Alten rechtzeitig bremsen könnte.

7. In den Gemeinden, in denen Versuche mit Tempo 30 unternommen werden, sind die Unternehmer solcher Versuche mit den bisherigen Ergebnissen zufrieden.

Contra:

1. Die Abgasentwicklung spielt erst bei höheren Geschwindigkeiten eine Rolle. Bei Tempo 30 kann sie leicht größer sein als bei Tempo 50.

2. Lärmbelästigung muß für Leute, die schlafen wollen, sehr unangenehm sein. Darüber klagen auch Leute, die über Kneipen oder in einer Luftanflugschneise leben. Alles verbieten? Dazu zwei Anwohner einer Verkehrsstraße: "Ständig mit Tempo 50 fahrende Autos stören uns kaum, es ist das Bremsen und Wiederanfahren an der Ampel, das stört." "Der Junge von nebenan mit seinem Moped macht mehr Krach als die Autos."

3. In vielen Wohngebieten ist die Durchfahrt für Lastwagen bereits verboten. Das Verbot könnte noch ausgedehnt und strenger kontrolliert werden.

Pro Contra

4. Die meisten Vorortsvillenbewohner leben und schlafen auch mal woanders. Und manche haben genug Einbildungskraft, sich unerträglichen Lärm vorstellen zu können.

5. ... und jeder freut sich an den Radfahrern, die die Autos rechts und links überholen – was übrigens nicht nur komisch, sondern auch gefährlich ist.

6. Sogar bei Tempo 30 kann Reaktionszeit plus Bremsweg noch zu lang sein, um einen Unfall zu vermeiden. Die Straßenverkehrsordnung (jeder Verkehrsteilnehmer muß rechtzeitig halten können) ist da viel vernünftiger als der Versuch einer Normierung, die für morgens vier Uhr ebenso gilt wie für die Zeit des Schulschlusses.

7. Die Unternehmer mögen zufrieden sein. Die Autofahrer, die sich durch Staus quälen müssen, sind es weniger. Und noch weniger sind es die Bewohner der Nachbarstraßen, in die der Verkehr dann abfließt.

Conclusio:

Vermutlich ist es so, daß eine Beschränkung auf Tempo 30 von mehr Autofahrern respektiert wird als die Straßenverkehrsordnung. Ich meine nicht, daß man solchen Computer-Gehorsam noch fördern sollte, etwa dadurch, daß man morgens um vier Uhr Radarfallen aufstellt. Deswegen bin ich gegen Tempo 30. Wo in einem Wohngebiet die Erfahrung lehrt, daß es unvernünftiger Autofahrer wegen an bestimmten Stellen zu ungewöhnlich vielen Unfällen kommt, sollten dort Hemmschwellen in die Straße eingebaut werden, die zu langsamem Fahren zwingen. Leo