US-Truppen: Zu viele Waffen für den Einsatz?

Von Christoph Bertram

Der Zorn von Verteidigungsminister Weinberger war verständlich. Denn eine Studie des Haushaltsausschusses im amerikanischen Kongreß, die Anfang der Woche veröffentlicht wurde, hatte behauptet, daß zumindest ein Teil der 776 Milliarden Dollar, die unter der Regierung Reagan seit 1981 in die Rüstung geflossen sind, zum Fenster hinaus geworfen wurde: Die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte, so die 376 Seiten lange Studie, sei trotz allen Geldes nicht gewachsen, sondern sogar gesunken. Die Armee sei nicht in der Lage, einen längeren konventionellen Krieg gegen die Sowjetunion oder auch gegen manche Militärmächte der zweiten Garnitur durchzuhalten.

In einer eilends einberufenen Pressekonferenz am letzten Montag bezeichnete Weinberger die Studie als irreführend und gefährlich. Sie Deruhe auf überholten Statistiken. Und ganz ist sein Verdacht nicht von der Hand zu weisen, der demokratischen Mehrheit im Ausschuß sei es nicht unlieb gewesen, den kritischen Bericht just zum Auftakt des Wahlkampfes herauszubringen.

Das mag alles sein. Dennoch wirft die Kontroverse Licht auf zwei Mißstände westlicher Verteidigungsplanung, die mit dem Dementi nicht aus der Welt sind: die Neigung, über den großen Rüstungsprojekten allzuoft zu vergessen, daß neue Panzer, Geschütze, Flugzeuge und Schiffe nicht nur angeschafft werden, sondern auch bemannt und einsatzbereit sein müssen; und die verbreitete, politisch gefährliche Übung, Verteidigung immer noch an dem aufgewendeten Geld – dem Haushalt – und nicht am Resultat – der Einsatzbereitschaft – zu messen.

Als Präsident Reagan im Januar 1981 ins Weiße Haus einzog, wollte er die Mängel der amerikanischen Verteidigung vor allem durch neue Großprojekte beseitigen. Die Ausgaben für neue Waffen liefen den Ausgaben für Personal und Betrieb immer schneller davon: Lag der Anteil der Beschaffungskosten 1980 noch bei rund einem Drittel des amerikanischen Militärhaushalts (37,2 Prozent), so hat er heute fast die Hälfte (48,6 Prozent) erreicht und soll bis 1988 noch darüber hinauswachsen. Aber kann, so fragen inzwischen nicht nur Oppositionspolitiker, die Armee all das neue Gerät tatsächlich verkraften und wirksam einsetzen?

Wenig Aussagekraft