Schimon Peres, der Führer der Opposition: Immer zuverlässig, oft erfolglos

Von Dietrich Strothmann

Jerusalem, im Juli

Am Tag danach brachte der israelische Schriftsteller und Journalist Amos Kenan das Unentschieden in der Wahl zur elften Knesset, dem Jerusalemer Parlament, auf die griffige Formel: "Das Volk hat gegen sich selber entschieden!" Und Kenan sagte weiter: "Es hat gewählt, als hätte es die Nase voll von einer Regierung. Soll doch ein Unterausschuß der Vereinten Nationen Israel verwalten."

Ein anderer, wenngleich kein Zyniker wie Kenan, mag am Morgen nach dieser Wahl ähnlich empfunden haben: Oppositionsführer Schimon Peres. Im ersten Zorn über das Resultat, selbst nach reiflichem Abwägen seiner Chancen, das Blatt etwa doch noch wenden zu können, mußte er sich sagen: Sie haben mich nicht verdient – wie ich dieses Ergebnis nicht verdient habe.

Zum drittenmal war der tapfere, unermüdliche Führer des Arbeiterblocks angetreten, um die Macht nach sieben Jahren Likud-Herrschaft zurückzuerobern. Und wieder hat er, schließlich immer noch der Klassenbeste seiner Partei, das Klassenziel knapp verfehlt. Er selber gewann nicht genügend Mandate, um mit seinen angestammten Koalitionspartnern eine Regierung bilden zu können. Die könnten ihm noch dazu die Gefolgschaft verweigern, sollte er sich nun mit den religiösen Gruppierungen gemein machen, gar mit den Kommunisten ein Trutzbündnis schließen, nur um die Mehrheit zu bekommen. Umgekehrt bräche der Arbeiterblock auseinander, ginge Peres auf das verlockende Angebot seines Gegners, des amtierenden Likud-Ministerpräsidenten Jitzhak Schamir, ein und diente unter ihm in einer großen Koalition.

Also bleibt Schimon Peres, dem Berufsoptimisten, wohl keine andere Wahl, als klein beizugeben: dem Likud und einer von Schamir angeführten schwachen Koalition das Feld ein weiteres Mal zu überlassen – für Peres selber dann gewiß zum letztenmal. Denn wer dreimal, kurz vor der Ziellinie, strauchelt, dem gibt selbst in Israel, wo vieles möglich ist, keiner noch eine Chance. Wenngleich es gerade diesem pflichtgetreuen Ackergaul schon oft gelang, den steckengebliebenen Parteikarren wieder flottzumachen.