Freiburg

Der Freiburger Verlag Rombach und Co. ist ein dem Markt ganz besonders verpflichtetes Unternehmen. In der Kundenzeitschrift Rombach-News wurde das einmal so formuliert: "Bei Rombach gehen die Uhren anders."

Die hypermoderne Denkweise des Verlages bekommt jetzt auch die Universität Freiburg zu spüren. In einem Schreiben, das in den ersten Juli-Tagen ankam, datiert mit "Juni 1984", tat der Verlag Instituten und Seminaren kund: "Zum 1. Juli schließen wir unsere Import-Abteilung. Das heißt, ab sofort nehmen wir keine ausländischen Buchbestellungen und keine Neubestellungen für ausländische Zeitschriften und Fortsetzungen mehr an." Die ausländischen Zeitschriftenabonnements liefen ebenfalls zum Jahresende aus, teilte der Verlag mit. "Wir bitten um Verständnis für eine unternehmerische Entscheidung unseres Hauses."

Das Verständnis des Deutschen, des Englischen, des Romanischen Seminars, der Juristischen Bibliothek und der Universitätsbibliothek war gering. Sie hatten jahrzehntelang ihre Bücher bei kleinen, soliden Buchhandlungen geordert, die inzwischen alle von dem stromlinienförmigen Giganten Rombach geschluckt worden sind. Seil Buchkaufhaus, das vierstöckige "Rombach-Center" mitten in der Stadt, ist ein schnieker Print-Discount, der Bestellungen unter 20 Mark ablehnt, sich fast nur mit gängiger Buchware beschäftigt und seine Kunden eher marktschreierisch behandelt. Ein Keller-Cafe nennt er "Center-Hock", womit Amerikanismus und Regionalismus verkaufsträchtig verbunden sind.

Die Universitätsinstitute reagierten auf die unternehmerische Begradigung mit Entsetzen. Sie rechnen sich den Umstellungsaufwand und der Ärger aus, die zu erwarten sind, ganz abgesehen von dem rüden Stil, mit dem sie von dem rauhbeinigen Verlag überfahren werden. Denn der will ihnen künftig auch keine Verlagsproduktionen ("Standing Orders") mehr zur Ansicht vorlegen. Die Großbuchhandlung mutet ihren früheren Abnehmern zu, die Bücher blind zu kaufen. Wegen der Ablehnung von Geschäften, die keinen großen Gewinn bringen, wollten die noch nicht aufgesogenen Freiburger Buchläden gegen Rombach vorgehen. Aber inzwischen haben sie sich wieder geduckt. Zu groß ist der Verlag in Freibure schon geworden, zu einflußreich sein Chef Fritz Hodeige, dessen Tochter das "Rombach-Center" führt.

In den Rombach-News ist nicht nur der Satz zu lesen: "Die moderne Demokratie beruht auf Vertrauen, Höflichkeit und Kompromißbereitschaft", hier steht auch: "Dem Prinzip des ‚Auf und Ab‘ (up and down) gebührt Vorrang vor dem Prinzip des "Hinauf oder Hinaus’ (up or out)." Das sind wohl eher sanfte Worte für die Mitarbeiter als für die Kunden.

Von Kultur und kulturellen Verpflichtungen redet ohnehin niemand mehr. Am wenigstens versteht Cornelia Hodeige, Leiterin des "Rombach-Centers", dieses Argument. Sie begründet den schroffen Brief mit "organisatorischen Umstellungen". "Das paßt nicht rein", sagt sie, "wir sind eben keine Versandbuchhandlung für ausländische Veröffentlichungen, sondern mehr ein Bargeschäft."