Von Susanne Mayer

Wir betreiben hier nun wirklich keine Politförderung", es ist offensichtlich, Friedrich-Wilhelm Witt von der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) wiederholt es zum zigsten Male. Seinen Kollegen von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) bringt die Frage nach der Parteizugehörigkeit der Stipendiaten ebenfalls sofort in die Verteidigung: "Den Typ des verdienten Plakatklebers wollen wir nicht", erklärt Eberhardt Mayr geduldig, "wir fördern Personen, das wird oft übersehen." Darüber wundert sich auch Wolfgang Stützer von der liberalen Friedrich-Naumann-Stiftung (FNS), gehen doch alle Hochbegabtenförderungswerke der Parteistiftungen, das ist ihm selbstverständlich, "von einem klassischen Persönlichkeitsideal" aus.

Gesucht wird ein junger Mensch, der fachlich hochqualifiziert ist und gesellschaftlich verantwortungsbewußt, so oder ähnlich steht es in den Förderungsrichtlinien aller Stiftungen. "Und den", sagt Wolfgang Stützer, "den finden Sie ganz selten fertig, den müssen Sie erst entwickeln."

Die Stiftungen also als Turmgesellschaften goethianischer Prägung, die mit zurückhaltender Hand nur die Geschicke der Zöglinge lenken? Sie alle sind sich jedenfalls einig im interesselosen Wohlgefallen am pädagogischen Tun. Eine gute Überzeugung, doch überzeugt sie nicht gut. Die etwa dreitausend Stipendiaten der parteilichen Stiftungen sind alles andere als tändelnde Wilhelm Meister. Der klassische Vorfahre des gebildeten Bürgers hätte bei den Stiftungen kaum eine Chance.

"Leistungsbereit, zielstrebig, selbstbewußt und selbständig", lautet die knappe Selbstcharakteristik eines Stipendiaten der KAS. Dafür hat er Beweise. Die strenge Prüfung, die für viele den Eingang zum Stipendium, ja vielleicht schon die Bewerbung blockiert, war für ihn, Jurist im dritten Semester, eine Hürde, die zum Wettbewerb reizte.

Eberhardt Mayr ergänzt: "Kohl und Strauß können da nicht einfach kommen und sagen: ‚Da haben Sie mir aber einen ganz lieben Aktivisten aus dem Kreisverband abgeschossen.‘"

Wie dem auch sei: Parteimuffel sind "die wirklich guten Leute" nicht, ja, sie bewerben sich, weil sie im Kreis der Stipentiaten "Leute mit einer gewissen Grundlinie" anzutreffen hoffen. Die "gewisse Grundlinie" ist für jeden gescheiten Bewerber hinter den vorsichtigen Formulierungen der Stiftungsprogramme berechenbar. "Ein gesellschaftliches Engagement aus liberaler Grundhaltung" wird bei der FNS von den Kandidaten erwartet, und bei der KAS die Bereitschaft, "ihre Befähigung, ihre Initiative, ihr Urteilsvermögen und ihre Tatkraft in den Dienst von Staat und Gesellschaft zu stellen"; bei der FES, "daß sie für die Demokratie als ein alle gesellschaftlichen Bereiche gestaltendes Prinzip eintreten, sich solidarisch gegenüber Unterdrückten und Schwachen verhalten". Auch wenn Wolfgang Stützer vermutet, daß "wir bei der FNS bald mehr amnesty-Mitglieder haben als Parteileute", führt die "gewisse Grundlinie", nur wenn sie verwirrt ist, einen SPD-nahen Studenten zu der KAS – "und dann telephonieren die Stiftungsleiter, und er wechselt ohne Schwierigkeiten zur FES", erzählt ein KAS-Stipendiat nach dreijähriger Erfahrung.