In den ersten sechs Monaten dieses Jahres sind zwölf Gesellschaften neu an die Börse gegangen. Nicht alle haben gehalten, was sich die Erstzeichner ihrer Aktien von ihnen versprachen.

Mehr als 1,3 Milliarden Mark hat der deutsche Kapitalmarkt im ersten halben Jahr 1984 für Aktien neu an die Börse gekommener Unternehmen aufgebracht. Auch wenn davon mehr als eine Milliarde Mark auf "gestandene Unternehmen" wie Porsche, Nixdorf und Berliner Bank entfallen, so bleibt die Risikobereitschaft der deutschen Anleger dennoch beachtlich.

Aber wird das so bleiben? Inzwischen hat sich nämlich gezeigt, daß die Zeiten rascher Kursgewinne bei Börsenneulingen vorüber sind. Auch hier ist der graue Börsenalltag eingekehrt. Überdies haben einige Affären ernüchternd gewirkt. Nicht jede Gesellschaft hat das Vertrauen gerechtfertigt, daß die Erstzeichner ihrer Aktien auf Grund vorgelegter Prospekte in sie gesetzt hatten.

Die PM Portfolio Management GmbH, Vermögensberatungsgesellschaft in München, der ohne Zweifel das Verdienst zukommt, in Sachen Börseneinführung Pionierdienste geleistet zu haben, ist durch einige Emissions-Flops ins Zwielicht geraten. PM wird der Vorwurf gemacht, die von ihr an die Börse gebrachten Unternehmen nicht sorgfältig unter die Lupe genommen zu haben.

Hauptärgernis sind die Aktien der im vergangenen Jahr von PM börsenreif gemachten Tewidata AG, deren heutiger Kurs mit 115 Mark deutlich unter dem Emissionspreis von seinerzeit 202 Mark liegt. Der Grund: Statt des noch im Februar dieses Jahres angekündigten Gewinns von 1,5 Millionen Mark schließt das Elektronikunternehmen mit etwa 3,5 Millionen Mark Verlust ab. Was stutzig macht: Die Tewidata-Aktie begann ihre Talfahrt, bevor die Meldung über den Unerwarteten Verlust an die Öffentlichkeit gedrungen war.

Wer war also frühzeitig orientiert? Es muß Insider gegeben haben. Außerdem hält sich hartnäckig die Version, wonach der Aufsichtsratsvorsitzende und Hauptaktionär von Tewidata, Rechtsanwalt Walter Schürmann, versucht haben soll, über den Verkauf der ihm gehörenden Beta AG sich von den dort liegenden Tewidata-Aktien zu entlasten, obwohl sich die Gründer der Tewidata AG verpflichtet haben, fünf Jahre nach dem Emissionsdatum an ihren Papieren festzuhalten.

Von anderer Qualität ist der Kursverfall der ebenfalls im vergangenen Jahr von PM an die Börse gebrachten Aktien der Bauträgergesellschaft Treuwo AG, Lübeck. Ihr Kurs bewegt sich mit 115 Mark ebenfalls deutlich unter ihrem Emissionspreis von 220 Mark.