Die Kunden der Deutschen Bundespost brauchen sich nicht länger darüber zu wundern, daß Briefe und Pakete so lange Laufzeiten haben. Postminister Christian Schwarz-Schilling sollte nun auch genau wissen was er ändern muß, um das angeschlagene Image seines Unternehmens aufzupolieren. Im Rahmen einer zentralen Revision bei acht geprüften Ämtern der Bundespost kamen einfach schreckliche Dinge heraus.

Einige Stichworte aus dem umfangreichen Revisionsbericht zeigen deutlich, was auf vielen Postämtern los ist: "Bearbeitete Sendungen werden nicht rechtzeitig abgeleitet", "bearbeitete Sendungen werden nicht rechtzeitig an die Zustellung weitergegeben", "die Verteilschlußzeiten sind nicht auf den Zustellbeginn abgestellt", "Paketzusteller stellen Sendungen eigenmächtig zurück", "im Be- und Entladedienst der – Kfz-Führer sind die Kfz-Führer nicht bereit, sich am Ladedienst zu beteiligen", "die Arbeitsgüte und die Arbeitsintensität werden nur noch mangelhaft überwacht".

Besonders schlimm fanden die Revisoren: "Der Alkoholmißbrauch im Dienst oder im Zusammenhang mit dem Dienst nimmt laufend zu." Die Vorstellung, daß die Postler mit wertvollen Briefen und Paketen nur so herumtorkeln, ist in der Tat beängstigend. Ebenso beängstigend ist, daß "alle Bemühungen der Aufsicht, dem Alkohlmißbrauch entgegenzuwirken, scheitern müssen, wenn die Postkantinen Alkohol jeder Art und Menge weiterhin uneingeschränkt anbieten und verkaufen". Fazit der Revisoren ist: "Die Vielzahl der Verstöße in den Betriebsabläufen läßt erkennen, daß die Aufgaben der Aufsicht nicht im erforderlichen Umfang wahrgenommen werden."

Ob das für den Minister nicht gute Gründe sind, sich um seinen Betrieb zu kimmern, statt immer nur neue Kabelschächte auszuheben?

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Peter Milz ist ein Bonner Volksvertreter, gehört der CDU an und stammt aus der Bonn benachbarten Voreifel. Vor kurzem kam er ins Gerede und nun fühlt er sich arg gebeutelt. Ins Gerede kam er, weil Milz in seiner Eigenschaft als selbständiger Stukkateur seine Ehefrau Ria entließ, die dann rund ein Jahr lang Arbeitslosenunterstützung bezog – insgesamt rund 15 000 Mark. Der Umstand, daß sich Ria Milz danach irtensiv um die großzügige Bebauung ihrer Grundstücke bemühte, trug wohl neben parteipolitischen Neidern mit dazu bei, daß die Sache in das Kölner Boulevard-Blatt "Express" lanciert wurde. Und so wie das da in fetten Lettern stand ("Abgeordnetenfrau ging stempeln"), machte die Story die Runde.

Aber was sagt Peter Milz selbst zu allem. Er ist überzeugt, daß "eine Frau, wenn sie abhängig beschäftigt ist, Rechte auch gegenüber der Solidargemeinschaft erwirbt, daß sie davon auch unabhängig von der Tätigkeit des Ehemanns Gebrauch machen kann. Alles andere wäre ein Schritt zurück ins Mittelalter." In 25 Jahren seiner selbständigen Stukkateur-Tätigkeit habe er keiner seiner Gesellen entlassen, stets für Aufträge, auch in schlechten Zeiten, gesorgt. "Ich beschäftige zur Zeit insgesamt 18 Mitarbeiter, davon sind sieben Lehrlinge. Wären alle Betriebe bereit, sich in einem so hohen Maß an der Ausbildung zu beteiligen, wir hätten keine Schwierigkeiten auf dem Ausbildungsmarkt."