Der Faden der Wahrheit

Ein Porträt des französischen Aufklärers

Von Benedikt Erenz

Aber wie sieht ein Aufklärer von innen aus? Als die Ärzte den Leichnam des Einundsiebzigjährigen am 2. August 1784 öffnen, finden sie den Kopf frisch wie den eines Zwanzigjährigen und das Herz um zwei Drittel größer als das eines gewöhnlichen Menschen.

Diderots Herz, Diderots Kopf, sie haben oft miteinander gekämpft, das hat sie jung gehalten, stark gemacht. Keiner von beiden konnte je dem anderen befehlen, keiner war des anderen Untertan. Sie haben einander nie verleugnet und einander nie das letzte Wort gelassen. Das war Diderots innerer Dialog, ein Leben lang. Er saß da in seinem geliebten Sessel, in seinem geliebten alten Schlafrock im vierten Stock in der rue Taranne in Paris, wo er sein Leben verbrachte, hat den beiden zugehört und Protokoll geführt: Das war sein Lieblingsspiel, daraus wuchs sein Werk.

Sein Werk: Seine Erzählungen, philosophischen Betrachtungen, Romane, Theaterstücke, die Artikel für die Enzyklopädie, die Abhandlungen zur Naturwissenschaft, Musik, Literatur, Schauspielerei, die Kunstkritiken, seine "Salons", die Briefe, die Liebesbriefe an Sophie Volland, die historischen Untersuchungen, politischen Denkschriften – dieses ganze, für die neue, 1975 begonnene Ausgabe in 33 Bände zerlegte Werk ist ein einziger in kleinen und großen Bruchstücken aufgehobener, endloser Dialog, ein einziger gewaltiger essaifleuve.

Der Traum des Mangogul

Alles spricht hier, alles spricht zueinander, durcheinander, Worte und Widerworte, Erzählungen und Enzyklopädie-Artikel liegen in immerwährendem Streit miteinander, durch 33 Bände hindurch wird keiner je recht behalten. Es gibt nichts Stummes in Diderots Kosmos, niemand, dem der Mund verboten wird, niemand, der aus Ehrfurcht, aus Hochmut, aus Verlegenheit schweigt. Selbst die verschämtesten Körperteile plaudern lustig ihre Geheimnisse aus, die kostbaren Kleinode der Damen; unter tausend Rokokoröcken auffällig verborgen, geben sie auf Befehl von Mirzozas Zauberring fröhlich ihre verschwiegenen Abenteuer preis.

Der Faden der Wahrheit

Ein obszöner Jugendscherz, diese "Geschwätzigen Kleinode" des Jahres 1748, der Aufguß irgendeiner alten Novelle aus Boccaccios Bibliothek, und schon mehr. Mirzozas Zauberring, der den losen Erdbeermund der Mätressen zum Sprechen bringt – das scheint fast so etwas wie ein Synonym für die sonderbaren Fähigkeiten und Eigenschaften Diderots selber.

Denn inmitten der muntersten Frauenphantasien hören wir plötzlich eine ganz andere Stimme. Im Traum erscheint dem großen Mangogul die Zukunft der Philosophie: "Ich sah in der Ferne ein Kind auftauchen, das gemessenen, aber sicheren Schritts auf uns zukam. Es besaß einen kleinen Kopf, einen schmächtigen Körper; aber während es sich näherte, nahmen alle seine Gliedmaßen an Umfang und Länge zu. Bei diesem schrittweisen Wachstum erschien es mir in hunderterlei Gestalt; ich sah es ein langes Teleskop gen Himmel richten, mit einem Pendel den Fall der Körper abschätzen, mit einem Röhrchen voll Quecksilber die Schwere der Luft feststellen und mit dem Prisma in der Hand das Licht zerlegen. Mittlerweile war es ein gewaltiger Koloß geworden; es schwang in der Rechten eine Fackel, deren Licht die Lüfte erleuchtete, die Tiefen der Wasser erhellte und die Eingeweide der Erde durchdrang. ‚Wer ist diese Riesengestalt?‘ fragte ich Plato. ‚Die Erfahrung‘, erwiderte er."

Im Traum Ludwigs XV., denn niemand anderes verbirgt sich hinter der Larve des Mangogul, verkündet Diderot den Sieg der Empirie über die alte Metaphysik, die Einnahme der scholastischen Wissenschaftsfestung durch Galilei, Pascal und Newton, den Triumph einer neuen Welterfahrung, die einen gottgewollten Mangogul und seinen frivolen Hofstaat nicht mehr lange dulden wird. Inmitten exotisch drapierter Erotica im Zeitgeschmack, milder Absolutismussatire, für ein Taschengeld zusammengeschrieben, plötzlich die Prophezeiung, die Drohung. Dem lockeren Amüsement entlockt Diderot mit seiner Zauberfeder das teure Geheimnis: die Ankündigung der Enzyklopädie. Mit 15 Jahren war Denis Diderot, Sohn eines wohlhabenden Handwerkers aus Langres, 1728 in die französische Hauptstadt gekommen – tonsuriert, denn der Vater hatte ihn der Obhut der Jesuiten anvertraut. Von der Theologie flieht der designierte Abbé bald zu den schönen Künsten, später, auf Druck des Vaters, der ihn inzwischen von einem Karmelitermönch überwachen läßt, widmet er sich der Jurisprudenz. Doch in der Kanzlei des Anwalts de Ris hält er es nicht lange aus. Da der Vater schon lange kein Geld mehr schickt, versucht der junge Diderot sein Glück als Hauslehrer, Gelegenheitsschreiber, mit Übersetzungen.

Er hatte geheiratet, gegen den Willen seiner Eltern, gegen den Willen der Schwiegereltern. Mit seiner Braut wurde er nicht glücklich. Zu groß war zwischen ihnen das, was man gemeinhin "den Unterschied im Geistigen" nennt. Sie hatten mehrere Kinder, von denen aber nur eines, Diderots angebetete Tochter Angélique, die Eltern überlebte.

Er war 32, ohne Stellung, ohne festes Einkommen, aß meistens außer Haus, oft in Gesellschaft eines gewissen Rousseau, mit dem er sich später ganz fürchterlich entzweien sollte, als er von dem Verleger Le Breton den Auftrag erhielt, die "Cyclopedia or a Universal Dictionary of Arts and Sciences" des Engländers Ephraim Chambers ins Französische zu übertragen, gegebenenfalls leicht umzuarbeiten. Daß aus diesem, wie es schien, Gelegenheitsauftrag einmal die große Obsession seines Lebens werden sollte, hatte Diderot damals wohl noch nicht geahnt.

Auf welches Projekt er sich schließlich einließ, merkte er, als er sich an die Arbeit machte. Mit einer bloßen Übersetzung oder einem flüchtigen Neuarrangement konnte es nicht getan sein. Hier war die Chance, etwas ganz Neues zu schaffen: eine neue Enzyklopädie – ein Werkzeug, der herrschenden Klasse mit dem Wissen auch die Macht zu entreißen.

Das Schicksal Pierre Bayles (1647-1706) stand dem angehenden "Enzyklopädisten" vor Augen. Er hatte das erste moderne Werk dieser Art geschaffen, das berühmte "Dictionnaire historique et critique". Der Haß des ancien régime verfolgte ihn bis ins Exil nach Holland; sein Bruder, der in Frankreich geblieben war, wurde im Gefängnis umgebracht.

Der Faden der Wahrheit

Ein sehr gefährlicher Mann

Bereits vor dem Erscheinen des ersten Bandes der Enzyklopädie muß Diderot erfahren, daß das Unternehmen ohne Protektion von höchster Stelle zum Scheitern verurteilt sein würde. Sein philosophisches Erstlingswerk, die "Philosophischen Gedanken" (1746), ein Bekenntnis zur Vernunftreligion, verquickt mit Überlegungen zur Evolution, wird sofort verboten und öffentlich verbrannt, ebenso geschieht es seinem "Brief über die Blinden". Diderot, so steht es in den Geheimberichten der Spitzel, gilt jetzt als "un homme très dangereux".

Am 24. Juli 1749 wird er verhaftet. Die Bastille ist voll, er wird nach Vincennes verlegt. Hier, am Stadtrand von Paris, vegetieren die Lebendigbegrabenen vor sich hin, die "Verschwundenen". Ein halbes Jahr bleibt Diderot in Einzelhaft, im Ungewissen über sein Schicksal. Er widerruft alles, was sich nur widerrufen läßt, gesteht alles, was es zu gestehen gibt, verspricht, nie wieder etwas gegen Religion und Moral zu schreiben, will am Ende sogar Namen nennen. Schließlich kommt er frei.

Nie wird er diese Demütigung vergessen. Sie bleibt als ein Schatten über seinem Leben. Hier liegt die Wurzel auch für einen spürbar resignativen Zug in seinem Werk. Und wenn oft mit Befremden oder Ratlosigkeit festgestellt wird, daß Diderot keines seiner Werke, die seinen Nachruhm ausmachen, je veröffentlicht hat, weder "Die Nonne", noch "Rameaus Neffe", noch "d’Alemberts Traum", noch "Jacques der Fatalist", so erklärt sich dies vielleicht auch aus den Erfahrungen dieser fünf Monate des Jahres 1749, die ihn an den Rand des Wahnsinns trieben, in denen er beinahe zum Verräter an seinen Freunden und Mitarbeitern geworden wäre.

"Wir werden gegen die unvernünftigen Gesetze reden, bis man sie ändert, und uns ihnen für die Zwischenzeit unterwerfen. Ist man mit Verrückten verrückt, so hat man weniger Unannehmlichkeiten, als wenn man ganz allein vernünftig ist. Rufen wir uns selbst und den anderen immer wieder zu, daß man Schande, Strafe und Schmach an Handlungen geknüpft hat, die an sich harmlos sind; aber begehen wir sie nicht, denn Schande, Strafe und Schmach sind die allergrößten Übel." So schreibt er 23 Jahre später in seinem "Nachtrag zu Bougainvilles Reise". Die Schande, Strafe und Schmach der Monate in Vincennes hat er nie überwunden.

Doch scheinbar unbeeindruckt arbeitet er an dem großen Projekt weiter. Es gelingt ihm, einen der berühmtesten Männer seiner Zeit, den Mathematiker d’Alembert, für die Mitarbeit an der Enzyklopädie zu gewinnen; Condorcet, Rousseau, Condillac, Voltaire stoßen hinzu, das Unternehmen erfreut sich schließlich der Protektion seiner Majestät der regierenden Mätresse, der Marquise de Pompadour. Am 1. Juli 1751 erscheint der erste Band, der zwanzigjährige Kampf um das größte literarische Unternehmen der Epoche hat begonnen.

Von der Zensur verfolgt, vom eigenen Verleger betrogen, von den Mitarbeitern im Stich gelassen, lastet die Arbeit vor allem auf Diderots Schultern, er hält durch. 35 Bände umfaßt die Enzyklopädie am Ende, 1780 gilt sie als vorläufig abgeschlossen.

Der Faden der Wahrheit

Ihre Bedeutung ist trotz relativ geringer Auflage unermeßlich. Kompendium und Wörterbuch, philosophischer Traktat und politisches Pampniet setzt sie der Summa theologica ihre Summe bürgerlicher Welterfahrung entgegen. Es ist, Jahrzehnte vor 1789, die Machtergreifung des Bürgertums; inmitten des Agrarlandes Frankreich bereitet sie den Boden für die Industrialisierung. Hier, in diesen 35 Bänden, in denen Begriffe wie Autorität, Bürger, Eigentum, Gesetzgebung, Freiheit, Glauben, Menschlichkeit, Naturrecht erstmals definiert oder umgeschmolzen werden, in der sich, auf Hunderten Bildtafeln, der technische Fortschritt dokumentiert (die abgebildeten Maschinen und Werkzeuge ließ sich Diderot größtenteils in minuziösen Modellen nachbauen), hat die Epoche endgültig zu sich selbst gefunden. Der lange Prozeß der Aufklärung ist in seine letzte Phase getreten; jede der vielen tausend Seiten belegt es: die Natur, die Menschheit, ihre Geschichte – Sie bewegt sich doch!

Diese Enzyklopädie, das gewaltige Fundament zukünftigen zivilisatorischen Fortschritts, trug Diderot den Ruhm Europas ein. Friedrich II. lud ihn nach Berlin, Katharina II. nach Rußland ein. Gegen Ende seines Lebens macht er sich auf die Reise, die erste und einzige seines Lebens, um der Zarin seinen Dank abzustatten. Zeitlebens hatte sie ihn von Petersburg aus mit fürstlichen Beträgen unterstützt. Der Besuch verläuft letztlich nicht viel erfolgreicher als der Voltaires in Sanssouci, doch hatte Diderot den Glauben an den aufgeklärten Absolutismus, diese größte Illusion des 18. Jahrhunderts, auch nie so recht geteilt. Immerhin trennt man sich in Freundschaft, tauscht Porträtbüsten aus und bleibt weiterhin in Verbindung.

Doch war das Verfassen von Artikeln für die Enzyklopädie natürlich nicht die literarische Arbeit, die sein widerspruchsvolles Innenleben erschöpfend zur Darstellung bringen konnte. Die Gespräche mit seinen Freunden, seiner Geliebten, seiner Tochter, vor allem aber: mit sich selbst verlangten nach einer direkteren Form als der Abhandlung. Die Aufklärung zu propagieren und sich gleichzeitig darüber lustig zu machen, süßen Empfindungen sich hinzugeben und gleichzeitig gegen Gefühlsduselei zu polemisieren, die bürgerlichen Tugenden zu predigen, um im gleichen Atemzug von der freien Liebe auf Tahiti zu phantasieren – das alles fand schließlich Platz in den "kleinen Papieren".

Seine "kleinen Papiere", seine großen Werke: "Unterhaltung mit der Marschallin von C.", "Das Paradox über den Schauspieler", der "Nachtrag zu Bougainvilles Reise", "d’Alemberts Traum", "Rameaus Neffe". Diese Dialoge sind weder Plauderei noch platonischer Dialog. In ihnen versucht Diderot den abstrakten Prozeß des Nachdenkens zu dramatisieren, zu visualisieren. Diderot, das wird gerade in den kleinen Stücken, aber auch in den Briefen deutlich, schreibt nie "geistreich", nie "witzig". Er neigt, schaut man genauer hin, nur selten zum Aperçu, zum rasch hingeworfenen Paradox. Anders als die Moralisten, die La Rochefoucauld, Joubert, Chamfort entsteht sein Werk nicht im Moment, nicht in der blitzhaften Eingebung, sondern im Prozeß. "Der Faden der Wahrheit kommt aus dem Dunkel und führt in das Dunkel zurück", schreibt er an Sophie Volland. "Auf seiner ganzen Länge gibt es einen Punkt, der der lichtvollste von allen ist: dort muß man innezuhalten wissen, darüber hinaus scheint aufs neue das Reich der Dunkelheit zu beginnen." Seine Dialoge sind Annäherungen an diesen Punkt. Sie haben kein Ende, kein Ergebnis, sie brechen ab, wenn die Gesprächspartner spüren, daß "der Faden der Wahrheit" ins Dunkle zurückläuft.

Ein dialektisches Meisterwerk

Da ist Moi, der Ich-Erzähler, der Biedermann, der Bürger, der fleißige Aufklärer und Propagandist tätiger Lebensführung und Lui, er, der Neffe Rameaus, der Faulpelz und Nichtsnutz, der Gesellschaftsparasit und Verächter. Doch schneller und und immer schneller dreht sich das Rad des Dialogs, wechseln die Perspektiven: Ist dieser Schmarotzer, dieser Hanswurst, der sich an den Tischen der Reichen durchfrißt, nicht auch ein Genie? Ein mißlungenes, ein – wie Jean Fabre sagt – Genie des Mißlingens? Ist er, der Tunix, der seine Talente verschleudert, nicht das heimliche Wunschbild des Bürgers? Die Identitäten der beiden zu Beginn klar gegeneinander konturierten Figuren verfließen ineinander. Das Gespräch scheint zum Selbstgespräch zu werden: Der Bürger in Diderot entpuppt sich als der heimliche Verächter der Gesellschaft, der Gesellschaftsfeind in ihm wandelt sich zum Hüter bürgerliche Werte.

Wie alle anderen Dialoge blieb auch dieses dialektische Meisterwerk Diderots (und man lese nur Hegels Interpretation in der "Phänomenologie" dazu!) der Öffentlichkeit bis über den Tod des Autors hinaus verborgen, zugänglich nur einigen wenigen, über die seltsamste Zeitung der Epoche, die handgeschriebene (deshalb nicht zensurpflichtige) "Correspondence" des deutschen Barons und engsten, lebenslangen Freundes Diderots Melchior Grimm. Zwanzig bis dreißig Abonnenten hatte diese publizistische Kuriosität – ironischerweise zum größten Teil deutsche Fürstenhöfe.

Der Faden der Wahrheit

Auch "Jacques der Fatalist und sein Herr", das erzählerische Hauptwerk Diderots, erscheint zunächst "bei Grimm". Hier nun wird alles zum Dialog, der Roman zerlegt in ein großes Spiel, bei dem alle mitspielen dürfen: der Erzähler, die Figuren, der Leser. Der Roman, das ist nicht die Handlung, die zigmal unterbrochene Lebens- und Liebesgeschichte Jacques’, sondern das Wechselspiel zwischen allen Beteiligten. Mal wird der Leser vom Erzähler beschimpft, es wird damit gedroht, den Roman abzubrechen, mal beschweren sich die Figuren über ihren Erfinder. Denkt man sich jetzt noch einen temperamentvollen Leser hinzu, ist das Chaos, nein: der Roman perfekt. Ein Romanexperiment, ein Antiroman oder nur ein amüsantes Verwirrspiel und doch eines der politischen Bücher der Epoche. "Zum ersten Mal in der europäischen Literaturgeschichte", analysiert Hans Mayer den Roman, "wird hier die gesellschaftliche Unproduktivität und Wertlosigkeit des Herrentums" enthüllt, und zugleich "die Lebensabhängigkeit der Herrenschicht von ihren Knechten". Miteinbezogen wird der Leser, denn wie der "Herr" von Jacques beherrscht wird, so bleibt auch er (ein Herr, der glaubt, das Heft, das Buch in der Hand zu haben) doch nur so lange Leser, wie der stets zu Diensten stehende Erzähler es erlaubt.

Der Herr wird zum Knecht, der souveräne Leser bettelt um Fortführung der Erzählung – in seinem kühnsten Gedankenspiel, in "d’Alemberts Traum" steigert Diderot diese Philosophie der Verwandlung, dieses Denken in Umspringfiguren zu einem großen kosmologischen Entwurf. Der kranke d’Alembert träumt die Genesis, den großen Evolutionsprozeß der Natur von den ersten Klümpchen Materie bis hin zu den Übergängen in die Bereiche des Empfindens und Denkens. In der endlosen Kette der Verwandlungen gibt es keinen Anfang, kein Ende, keine Individualität:

"Alle Wesen kreisen ineinander, entwickeln sich von einem zum anderen ... Jedes Tier ist mehr oder weniger Mensch, jedes Mineral ist mehr oder weniger Pflanze, jede Pflanze mehr oder weniger Tier ... Und ihr redet von Individuen! Laßt eure Individuen! Es gibt nur ein einziges großes Individuum, das ist das Ganze! ... Ich sterbe also gar nicht? Nein, in diesem Sinne sterbe ich gewiß nicht. Geboren werden, leben und vergehen, das ist Form verändern... Was bedeutet die eine oder andere Form?"

Am 31. Juli 1784 stirbt Denis Diderot in Paris.