Arbeitsplätze statt Umweltschutz: Das Kraftwerk Buschhaus geht in Betrieb

Von Heinz-Günter Kemmer

Was sich wie bajuwarische Schlitzohrigkeit anhört, ist die reine Wahrheit: Dem Beschluß des Deutschen Bundestages, das Kraftwerk Buschhaus bei Helmstedt erst nach Einbau einer Rauchgas-Entschwefelungsanlage in Betrieb gehen zu lassen, werde man, so Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann am ehesten dadurch gerecht, daß man das Kraftwerk schon jetzt anfahre – ohne Filter.

Das klingt paradox, ist aber schnell aufgeklärt. Der Eigentümer von Buschhaus, die Braunschweigische Kohlen-Bergwerke (BKB) in Helmstedt hat sich nämlich verpflichtet, nach Inbetriebnahme des Kraftwerks weniger Schwefeldioxid in die Luft zu blasen als bisher. Dazu wird sie ihr altes Kraftwerk Offleben drosseln, Buschhaus nicht roll ausfahren und insgesamt weniger Strom als bisher erzeugen.

Mit dem ersten Punkt der vom Bundestag am 27. Mai einmütig verabschiedeten Entschließung stimmt das freilich nicht überein. Denn da heißt es, die Bundesregierung solle sich dafür einsetzen, daß "das Kraftwerk Buschhaus erst in Betrieb genommen wird nach dem Einbau einer Rauchgas-Entschwefelungsanlage mit dem bestmöglichen Wirkungsgrad". Aber der zwischen dem Land Niedersachsen und der BKB mit dem Segen des Bundes ausgehandelte Kompromiß wird durch den zweiten Punkt der Entschließung gedeckt. Danach soll "spätestens bei einer Inbetriebnahme des Kraftwerks Buschhaus die bisherige SO2-Gesamtemission im Raum Helmstedt deutlich reduziert" werden. Und dies wird geschehen.

Erreicht wird das unter anderem dadurch, daß das schon vor Aufnahme des Betriebs als "Dreckschleuder der Nation" titulierte Kraftwerk nicht – wie ursprünglich vorgesehen – sogenannte Salzkohle, sondern normale Braunkohle verbrennen wird. Erst wenn eine Rauchgas-Entschwefelungsanlage eingebaut ist, soll der Betrieb auf Salzkohle umgestellt werden. Denn ohne die Verbrennung von Salzkohle hätte das gesamte Unternehmen Buschhaus keinen Sinn.

Die BKB, ein vor 111 Jahren gegründetes Unternehmen, sind nämlich mit ihren normalen Kohlenvorräten am Ende. Die Reserven reichen gerade noch aus, um das Kraftwerk Offleben bis 1993 zu versorgen. Ohne Salzkohle wäre dann das Aus für die BKB unvermeidlich.