ZEIT: Die deutschen Exporte in den Iran haben erneut zugenommen; die Importe aus dem Iran sind jedoch noch immer sehr niedrig. Wie lange werden die Iraner die Handelsdefizite noch mitmachen?

Storz: Im April sind die deutschen Importe aus dem Iran gegenüber März um 82 Prozent gestiegen. Man muß beachten, daß die Statistik bei den Erdölimporten nur erfaßt, was direkt in die Bundesrepublik geht. Es fehlen also jene Einkäufe deutscher Handelsfirmen, die in Drittländer gehen, trotzdem aber in Mark bezahlt werden. Würden sie in die Handelsbilanz miteinbezogen, wäre das Defizit erheblich geringer. Außerdem: Iranisches Erdöl, das in einem Drittland zu einem Produkt weiterverarbeitet wird und erst in dieser Form in die Bundesrepublik gelangt, wirkt sich statistisch in der Handelsbilanz ebenfalls nicht aus.

Bei den deutschen Exporten in den Iran hingegen handelt es sich teilweise um Überhänge aus dem Boomjahr 1983; eine Hochrechnung auf Ende 1984 ist daher nicht möglich. Wir erwarten aber, daß sich der Exportanstieg verlangsamt. Das 1983er Ergebnis ist kaum erreichbar.

ZEIT: Wegen der iranischen Politik?

Storz: Es ist eine allgemeine Importdrosselung zu beobachten – wegen der Kriegslage und zur Schonung der Devisenreserven. Das gilt gegenüber allen Ländern. Trotzdem sah man teilweise auch schriftliche Anweisungen, wenn möglich von deutschen auf andere Produkte auszuweichen, da die Bundesrepublik zuwenig Erdöl aus dem Iran bezieht. Wir befürchten, daß sich der Druck verstärkt. Erkennbar ist jedenfalls die Tendenz, sowenig wie möglich aus der Bundesrepublik zu importieren. Das bedeutet eine langfristige Gefährdung der deutschen Industriepräsenz, da die traditionellen Märkte durch andere Länder besetzt werden könnten. Aber vielleicht hat ja der Besuch des Bundesaußenministers, auf längere Sicht gesehen, Erleichterungen gebracht.

ZEIT: Sind die Iraner auf deutsche Zulieferungen angewiesen?

Storz: Auf einzelnen Gebieten schon, insbesondere dort, wo Betriebe auf die Verarbeitung von deutschen Rohstoffen – etwa aus der Chemie – oder Ersatzteile angewiesen sind. Aber für viele Gebiete gibt es durchaus Alternativen: Japan, Schweden, Italien, Österreich, Schweiz.