Hervorragend

"David Grisman’s Dawg Jazz". Man soll sich nicht lange über den "dawg" den Kopf zerbrechen, es gibt ihn in keinem Wörterbuch: Es ist nichts weiter als die gedehnte Aussprache von dog, weil der Mandolinist aus dem Staat New Jersey sich, wer weiß warum, einen Hund als Maskottchen dieser Platte ausgesucht hat. Es hat, auch wenn ein paar Stücke mit dem Wort spielen, gar nichts zu bedeuten: kein Gekläff in dieser Musik, auch kein irgendwie neckisches Ton-Schwanzwedeln, ganz im Gegenteil. Man hört eine überaus fein gearbeitete, sehr "mandolinische" Jazzmusik, die manch einen süchtig machen kann. Es ist aber sicherlich kein Zufall, daß David Grisman sich hier Stephane Grapelli geladen hat; denn tatsächlich bestimmen Mandoline und Geige (und Gitarre) nicht nur den (Zigeunerjazz-)Klang, sondern auch den Schwung, die Leichtfüßigkeit dieser spielerischen, federnden, spitzentänzerischen, ja schwebenden Musik. Es gibt ein Stück, das ist das schönste: "In a sentimental mood" von Duke Ellington – mit Grisman und Grapelli, Mandoline und Geige, die sich, einander improvisatorisch die Motive zuwerfend, temperamentvoll und fröhlich unterhalten. Spätestens bei der Wiederholung bemerkt man die vielen musikalischen Nuancen. (WEA 92-3804-1) Manfred Sack

Hörenswert

Russell Smith: "The Boy Next Door". Vom Country Blues, den dieser Gitarrist und Harmonikaspieler während seiner Teenagerjahre sang, ist hier nichts mehr zu hören. Was er von seinen Lehrmeistern aus dem amerikanischen Süden, darunter dem Rhythm & Blues eines T-Bone Walker, lernte, zeigte Russell Smith kürzlich als "Einheizer" bei den Mink DeVille-Konzerten. Sein zweites Soloalbum allerdings bietet vornehmlich eine Lektion in Sachen Country Rock und reiner Country Music. Die wiederum spielt der Mann, der für die Amazing Rhythm Aces in den siebziger Jahren Klassiker schrieb wie "Third Rate Romance", mit selten gewordenen Qualität, und in seinem leicht soulartigen Flair erinnert das Album an die besseren Zeiten eines Gene Clark, Don Nix und anderer fast vergessener Koryphäen des Genres. Eine bessere Platte kam aus Nashville schon seit längerem nicht mehr. (Capitol 2401551)

Franz Schöler