DOKUMENTE ZUR ZEIT

Der Versuch, Hitler am 20. Juli 1944 zu töten, mußte gemäß DDR-Historikern bisher scheitern, weil Monopolbourgeoisie und reaktionäre Kräfte sich zusammengetan hatten. Der Blick auf das Attentat hat sich gewandelt. Auszüge aus dem "Neuen Deutschland" vom 20. Juli 1984:

Das Attentat vom 20. Juli 1944 war Ausdruck des Widerstandes jener Kräfte innerhalb des Bürgertums, des Adels und der militärischen Führung, die auch mit Sozialdemokraten und Kommunisten zusammenarbeiten und durch sofortige Beendigung des Krieges eine nationale Katastrophe zu verhindern suchten, die das faschistische Terrorregime beseitigen und eine Art bürgerliche Demokratie errichten wollten.

Die in tiefer Illegalität kämpfende Landesleitung der KPD hatte von der bürgerlichen Bewegung Kenntnis und war, getreu ihrer auf der Brüsseler Konferenz 1935 beschlossenen Volksfrontstrategie zum Sturz des Faschismus, zur Zusammenarbeit bereit ...

Bei der Formierung einer Opposition in bürgerlichen und militärischen Kreisen spielten besonders bei einigen real denkenden und gebildeten Militärs die Traditionen der friedlichen, für beide Seiten stets vorteilhaft gewesenen deutschrussischen beziehungsweise deutschsowjetischen Beziehungen eine große Rolle ...

Ein wesentliches Motiv für das Handeln der Nazigegner aus den Reihen des Offizierskorps war auch die Verurteilung der faschistischen Unterdrückungs- und Ausrottungspraxis in den besetzten Ländern, vor allem in Polen und in der Sowjetunion. Bereits im November 1939 schrieb Helmuth Stieff, später Generalmajor, nach einer Reise durch Polen: "Ich schäme mich, ein Deutscher zu sein! Diese Minderheit, die durch Morden, Plündern und Sengen den deutschen Namen besudelt, wird das Unglück des ganzen deutschen Volkes werden, wenn wir ihnen nicht bald das Handwerk legen."

Wie die Motive der einzelnen Personen und Gruppen, so waren auch die Zielvorstellungen sehr unterschiedlich. Während Goerdeler und seine politischen Freunde die Erhaltung der bestehenden Macht- und Eigentumsverhältnisse erstrebten, gab es im Kreisauer Kreis Vorstellungen, die auf Verstaatlichung der Schlüsselindustrien, Beseitigung der Monopole und Mitbestimmung der Arbeiterschaft in Staat und Gesellschaft hinausliefen. Unterschiedlich war auch die Haltung zur KPD und zur Bewegung "Freies Deutschland" ...

Die Männer des 20. Juli 1944 machten einen schwierigen Lernprozeß durch, bis sie zur Tat schritten. Die Tragik der mutigen Tat Oberst Stauffenbergs und der mit ihm verbundenen patriotischen Kräfte liegt darin, daß nicht genügend dafür gesorgt war, auch bei einem Fehlschlag des Attentats auf Hitler den Aufstand zu seinem Sturz mit den entsprechenden Kräften weiterzuführen. Sie schritten zur Tat ohne ausreichende Verbindung zur übrigen antifaschistischen Widerstandsbewegung und den Volksmassen. Ihr Opfergang ist uns Vermächtnis.