Im Falkland-Krieg habe es Großbritannien mit dem äußeren Feind zu tun gehabt, verdeutlichte Margaret Thatcher ihren Landsleuten die Lage. Die Gewerkschaften, die de heute bekämpfen, stellten den inneren Feind dar.

In England sind die Häfen wieder offen, aber die meisten Zechen bleiben fester geschlossen als zuvor. Die Kumpel streiken in der zwanzigsten Woche – ohne Streikgeld, mit Notpaketen aus Konservenspenden und dem Mut der Verzweiflung. Das Parlament geht in die Sommerferien, und die Regierung Thatcher rüstet sich zur Entscheidungsschlacht gegen Arthur Scargills Führung des Ausstandes.

Die Hafenarbeiter haben ihren Ausstand leidlich erfolgreich beendigt. Die Unternehmer gaben überraschend schnell zu, daß sie das Beschäftigungsabkommen von 1948 – sie stellten nichtregistrierte, also von den Gewerkschaften nicht abgesegnete Kräfte im Hafen von Immingham ein – verletzt hatten. Die trade unions verlangten ein "Niewieder"-Versprechen und bekamen es.

Der Zorn der gestrandeten Fernfahrer beiderseits des Kanals hatte nachgeholfen. In Calais warteten die englischen Landstraßen-Kapitäne, in Dover ihre kontinentalen Kollegen. Deren rüde Drohung, alles nederzufahren, was ihnen an Mensch und Gebäude im Weg stand, veranlaßte die Docker in Dover, frühzeitig die Ampeln auf grün in stellen. Auch stand der inselweite Schulferien-Beginn am nächsten Tag bevor. Da half nichts, jeder Gedanke an Solidarität mit den Bergleuten mußte zurückstehen. Man rettete die eigene Haut glimpflich, ehe es Volkszorn hagelte.

Nun steht Bergarbeiterführer Arthur Scargill mit seinem Durchhalteprogramm wieder allein im Regen. Zwei Drittel der Kumpel sind entschlossen, auf seine Formel vom "Endsieg" zu bauen. In den Dörfern und Städten des Ausstandes hat sich ein Versorgungssystem entwickelt, von dem sich manches mittelmäßige Nadelstreifen-Management der Insel eine Scheibe abschneiden könnte.

Widersprüchliche Statistiken darüber, wieviel Kohle wo auf Halde liegt, verwirren die Lage-Bilder. Sicher ist, daß im Spätherbst die wenigen produzierenden Zechen den allmählichen Schwund der Vorräte nicht mehr aufhalten können. Was dann? Wird Margaret Thatcher ihre (1977, als Oppositionsführerin) gegebene Zusage einhalten, Neuwahlen oder ein Referendum müßten entscheiden, ehe es zum Energie-Chaos komme?

Die schärfste Waffe der Regierung scheint derzeit das Beharren darauf zu sein, daß die Bergleute selbst unter sich entscheiden sollen, ob sie weiter streiken wollen oder nicht. Einige Minister glauben, die geheime Urabstimmung brächte ein anderes Verhältnis zustande als jenes 2:1 pro Streik, das derzeit zwischen Ausständischen und Arbeitswilligen herrscht.

Scargills Nahziel ist das Durchhalten bis zum Gewerkschaftskongreß Anfang September. Dessen Delegierte lassen sich erfahrungsgemäß eher zu Sympathiekundgebungen bewegen als die weisen alten Eulen unter den Bossen der Einzelgewerkschaften, die sich lieber unterstellen möchten, bis das Gewitter der Thatcher-Ära nachläßt. Karl-Heinz Wocker (London)