Es sei ihr, schwört die Regierung, nur ums Prinzip gegangen. Ein ganzer Sattelschlepper mit neun Tonnen Ladung als Diplomatengepäck? Da könnte ja jeder kommen – etwa mit einem Zeppelin, wie Regierungssprecher Zeppelin, mit zukunftsweisender Phantasie sagte.

Tatsächlich ging es um Prinzipien, einerseits. Denn vor ein paar Jahren ist auch Bonn mit dem Versuch gescheitert, einen kompletten Lastwagen als Diplomatengepäck nach Moskau zu schicken. Da haben die Sowjets die Wiener Konvention über die Behandlung solcher Fracht hochgehalten. Pacta sunt servanda, vom einen wie vom anderen.

Andererseits: War es nicht Boenisch selber, der, indirekt, geheimdienstliche Vermutungen ins Spiel brachte? Der davon sprach, daß der sowjetische Laster "sehr gemütlich" durch das Bundesgebiet gezuckelt und dann in der Schweiz bei einem Militärflugplatz gesehen worden sei? In der Tat, warum weigerten sich die Sowjets erst so hartnäckig, Augenschein und Aufschluß über den Inhalt des Containers zu gewähren?

Amtlich beflügelt, hatte Bonn viel Stoff für Spekulationen. Illegaler Technologietransfer, für den es Präzedenzfälle gibt? Ein Leo-Zwei-Motor? Womöglich eine Rakete? So schwer plumpste der Sattelschlepper in das Sommerloch, daß einigen schon ein Scherbenhaufen zwischen Bonn und Moskau schwante.

Den hat es nun nicht gegeben. Die schließlich gewährte "Nachschau" hat 207 kyrillisch beschriftete Gepäckstücke zutage gebracht, nach sowjetischen Angaben mit einer für das neue Gebäude der sowjetischen Vertretung in Genf bestimmten Funkstation als Inhalt, wie sie jede diplomatische Mission von größerer Bedeutung besitzt.

Das Ungeheuer von Genf und Bonn ist, soviel man weiß, wieder in Moskau eingetroffen. Doch wie seine Schwester in Loch Ness hat sein vorübergehendes Auftauchen und seine flüchtige Inspektion mehr Fragen hinterlassen als beantwortet. Ewig diese Ungewißheit.

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