Manfred Bannenberg begnügt sich nicht mit den Lesern. Er stellt auch eine Autorin vor. Rosemarie Schmitz-Butz oder so ähnlich heißt sie, ihren Namen nennt sie nicht gern, sie schreibt Pseudonym. Drei Monate braucht die Hausfrau für ein Werk, die ersten vierzehn Seiten schreibt sie meist in einem Rutsch, "da weiß ich gar nicht, was ich schreibe". Für jeden Roman nimmt sie "fünf bis sieben Personen, nicht mehr", und teilt sie ein: "die Guten, die Bösen und dann kommen schon ganz automatisch die Verwicklungen".

Die Bedeutung der so produzierten Ware kennt sie sehr genau: "Der Frauenroman hat eine Trostfunktion. Da ist einfach mal alles in Ordnung." Am Anfang natürlich nicht, da entstehen die Wünsche, die am Ende dann erfüllt werden.

Manfred Bannenberg ist es in seinem Film überzeugend gelungen, aus einem Ausschnitt deutscher Lesewirklichkeit heraus ein Bild sozialer Realität zu entwerfen. Trivialkultur als Flucht aus der Tristesse des Alltags – und doch ist diese Lektüre, dieses Sich-Versenken in eine ferne, fremde Welt auch ein Hinweis auf die verborgenen Energien, die verkümmerte, unterdrückte Kraft der Phantasie im Leser. Das bunte Nirgendwo der Heftchen-Welt, das zeigt der Film, liegt nahe bei dem Ort Utopia. Ulrich Stock