Von Allister Sparks

Maputo, im Juli

In der Halle des imposanten alten Hotels "Polana" hört man neben den Sprachen der kommunistischen Freunde der Volksrepublik – Russisch, das Spanisch der Kubaner, sächsisch gefärbtes Deutsch – auch wieder ein aus portugiesischen Kolonialzeiten vertrautes Idiom: Afrikaans. Die Hauptstadt Mocambiques scheint von Südafrikanern zu wimmeln, die ihre Hilfe anbieten und gute Geschäfte machen wollen. Drei Monate nach der Unterzeichnung ihres Friedensabkommens bemühen sich die ungleichen Partner – der Apartheidstaat Südafrika und das von Marxisten beherrschte Moçambique –, ihre Beziehungen zu einer umfassenden Entente auszubauen.

Moçambique hofft angesichts seiner schlimmen Sicherheits- und Wirtschaftslage, daß Verbindungen mit dem mächtigen Nachbarn wieder aufleben, von denen das Land profitierte, als es noch ein Außenposten des portugiesischen Kolonialreiches war. Der südafrikanischen Regierung ging es bei dem am Grenzfluß Nkomati abgeschlossenen Nichtangriffspakt vor allem darum, daß Mocambique den aufständischen Kämpfern des African National Congress (ANC) nicht länger als Refugium dient. Den ANC will Südafrika aus allen schwarzen Nachbarländern vertreiben.

In Moçambique sind letztes Jahr um die 100 000 Menschen verhungert. Das ruinierte Land hofft darauf, daß Südafrika jetzt Wanderarbeiter importiert, den Hafen von Maputo wieder in Schuß bringt und für eigenen Handel nutzt, daß schließlich Südafrikaner auf brachliegendem Farmland die dringend benötigten Nahrungsmittel produzieren.

Die südafrikanischen Politiker sehen vor allem den politischen Nutzen der paradoxen Verbindung. Gute Beziehungen zu einem schwarzen Staat, den Pretoria immer als besonderes Hätschelkind der Dritten Welt ansah, sollen Südafrika aus der Isolation heraushelfen. Die südafrikanischen Diplomaten buchen die Europareise ihres Ministerpräsidenten Pieter Willem Botha vom Juni als Erfolg des Nkomati-Paktes. Colin Patterson, der neu installierte Leiter der südafrikanischen Handelsmission in Maputo, betont diesen Zusammenhang: "Der Erfolg des Abkommens wird unsere ganze Außenpolitik bestimmen."

Die Ernennung Pattersons ist bereits ein diplomatischer Erfolg seiner Regierung. Der Karrierediplomat wird bald über ein Team von drei Diplomaten verfügen; die Handelsmission wird in jeder Beziehung – außer dem Namen nach – eine Botschaft sein. Bislang war das konservative Malawi der einzige schwarze Staat, mit dem Pretoria diplomatische Beziehungen unterhielt.