Der Verleger Robert Maxwell kauft sieben Zeitungen

Nur wenige Stunden nach der Übernahme der Mirror Group Newspapers, einer der größten britischen Zeitungsgruppen, stellte Robert Maxwell klar, daß er sich nur für Bilanzen und Gewinne interessiert. "Ich bin der Boß hier", erklärte er in einer schnell einberufenen Betriebsversammlung. "Ich möchte, daß dies ganz deutlich verstanden wird."

Als erstes verordnete er dann seinen Zeitungen einen neuen Slogan: "Britannien voran"; alle sollen ihn nun unter dem Titel tragen. Darauf bedacht, dem Boß zu gefallen, richtete das Sonntagsblatt Sunday People auch gleich eine Abteilung Mir "gute Nachrichten" ein: Es forderte seine Leser auf, fleißig Mitteilungen darüber einzusenden, was Verkäuferinnen und Direktoren, Hausfrauen und Arbeiter tun, um "Großbritannien zu einem Land zu machen, auf das man stolz sein kann".

Der Daily Mirror stellte sich ebenfalls schnell um. Noch am Tag vor der Übernahme hatte das Flaggschiff der Zeitungsgruppe eine Stellungnahme der der Mirror-Journalisten abgedruckt. Darin war der Verkauf durch den Konzern Reed International als "Verrat an den Lesern, der Belegschaft und dem öffentlichen Interesse" gebrandmarkt worden. Nun gab das Blatt dem neuen Verleger die ganze erste Seite für die Darlegung seiner Ziele. Für die nicht unbeträchtliche Kritik an der Transaktion war kein Platz mehr.

Für den 61jährigen Maxwell ist der Erwerb der Mirror-Gruppe die Erfüllung eines Traumes. Vor mehr als fünfzehn Jahren versuchte er zum erstenmal in Fleet Street, dem Zentrum der britischen Presse, Fuß zu fassen. Er bewarb sich um die Sonntagszeitung News of the World, aber die Eigentümer mochten dem tschechischen Immigranten Maxwell nicht eine Zeitung geben, "die so britisch ist wie Roastbeef und Yorkshire Pudding".

Der australische Verleger Rupert Murdoch war erfolgreicher und legte mit dem Kauf der Sonntagszeitung den Grundstein für seinen phänomenalen Erfolg auf dem britischen Zeitungsmarkt.

Aber Maxwell ließ nicht locker. Zweimal interessierte er sich für die Sonntagszeitung Observer, zweimal wurde er zurückgewiesen. Bei der Times und der Sunday Times kam ihm Murdoch abermals zuvor. Schließlich erwarb er einen Anteil von zehn Prozent an der Express-Gruppe. Viele erwarteten, daß er zu einer vollen Übernahme ansetzen würde.