DIE ZEIT

Teurer Umweg

Die "größte Dreckschleuder der Nation", das Kohlekraftwerk Buschhaus im Helmstedter Revier, soll nun doch ohne Entschwefelungs-Anlage den Betrieb aufnehmen.

Fritz und Geraldine: Abheben zum Wahlkampf: Olympia in bar

Wenige Stunden prickelnder Erwartung noch, und es wird uns ein olympisches Licht aufgehen im heiligen Hain von Los Angeles. Die Flamme, entzündet unter der griechischen Sonne, kreuz und quer über den amerikanischen Kontinent getragen zum Kilometerpreis von 3000 Dollar, ist ans Ziel gebracht; kein zorniger Gott hat sie unterwegs ausgeblasen.

Todfit

Nun hämen sie gewaltig, all die Stubenhocker, Sabbelbrüder und Schwabbelschwestern, die jeglicher sportlichen Bestätigung abhold sind: Jim Fixx ist tot, der Erfinder des Jogging, einem Herzinfarkt erlegen – ätsch! – beim Jogging.

Polnische Polit-Profis

Am 22. Juli wurde in Polen zum 40. Mal die Geburt der ungeliebten kommunistischen Regierung gefeiert, die 1944 die legale in London domizilierte Exilregierung entsetzt hat und die nun diejenigen amnestiert, die sich jene zurückwünschen: polnische Dialektik.

Nach der Wahl in Israel: Auch beim dritten Anlauf ohne Glück

Am Tag danach brachte der israelische Schriftsteller und Journalist Amos Kenan das Unentschieden in der Wahl zur elften Knesset, dem Jerusalemer Parlament, auf die griffige Formel: "Das Volk hat gegen sich selber entschieden!" Und Kenan sagte weiter: "Es hat gewählt, als hätte es die Nase voll von einer Regierung.

Zeitspiegel

Nur nicht den Kopf hängenlassen, auch nicht im Atomkrieg! Die größte Gefahr ist doch die Hoffnungslosigkeit, die Angst, daß das Ende der Welt naht! Mit soviel paradoxer Heiterkeit wird ein 25-Minuten-Fernsehfilm etwa verängstigte Amerikaner aufmuntern, sobald ein sowjetischer Atomschlag nur noch eine Frage der Zeit ist.

Staatsmoral

Der Iran ist für uns immer ein schwieriger Partner gewesen. Ob die Savak des Schahs folterte oder die Hinrichtungspelotons des Ayatollah am Werke waren – dem Umgang mit den Mächtigen in Teheran haftete stets etwas Anrüchiges, fast etwas Ruchloses an.

Worte der Woche

"Lassen Sie uns immer an den gewaltigen Unterschied denken, der zwischen dem unerlaubten Gebrauch von Waffen zur Bewahrung der Freiheit und der totalitären Aggression mit dem Ziel der Eroberung besteht.

Reagan hat noch lange nicht gewonnen

Während die Auguren noch die Nachwehen des Parteitages der Demokraten bewerten, zeichnen sich für Amerikas Politik aufregende Zeiten ab.

Verteidigungskosten: Arme Armee

Der Zorn von Verteidigungsminister Weinberger war verständlich. Denn eine Studie des Haushaltsausschusses im amerikanischen Kongreß, die Anfang der Woche veröffentlicht wurde, hatte behauptet, daß zumindest ein Teil der 776 Milliarden Dollar, die unter der Regierung Reagan seit 1981 in die Rüstung geflossen sind, zum Fenster hinaus geworfen wurde: Die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte, so die 376 Seiten lange Studie, sei trotz allen Geldes nicht gewachsen, sondern sogar gesunken.

Ben Witter:: Angetippt

Die Dame neben mir im Flugzeug bestellte sich eine halbe Flasche Sekt und sagte: "Ja, gucken Sie nur, und meinen Familienschmuck lasse ich auch nicht mehr zu Hause.

Ein Russe packt aus

Nach dem Schweizer und dem deutschen Zoll hat sich auch eine Sowjetbürgerin namens Ludmilla – Gattin eines mit demselben Transport nach Moskau zurückgekehrten Beamten im sowjetischen Außenministerium – für den Inhalt einer Kiste interessiert, die von einem sowjetischen Sattelschlepper durch halb Europa transportiert wurde.

Moçambique: Hilfe vom Feind

In der Halle des imposanten alten Hotels "Polana" hört man neben den Sprachen der kommunistischen Freunde der Volksrepublik – Russisch, das Spanisch der Kubaner, sächsisch gefärbtes Deutsch – auch wieder ein aus portugiesischen Kolonialzeiten vertrautes Idiom: Afrikaans.

Nicaragua: Pokern um die Wahl

Gewählt wird erst am 4. November, doch entschieden werden die Wahlen bereits in dieser Woche: Treten die Oppositionsparteien Nicaraguas nicht an, ist der Sieg der Sandinisten und der mit ihnen verbündeten Gruppen sicher, nicht hingegen jene demokratische Legitimierung, auf die Managua sichtlich Wert legt.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Erich Honecker, DDR-Staats- und Parteichef, will sich nicht über den Einfluß des Westfernsehens auf die Jugend erregen, "reift doch unter diesen weltoffenen Bedingungen, in der ständigen Auseinandersetzung bereits die dritte Generation kampferprobter und ideologisch gestählter junger Kommunisten heran".

Polen: Mit Gewalt aus dem Gefängnis?

Die Amnestie beendete den erst wenige Tage alten Prozeß des Warschauer Militärgerichts gegen die vier ehemaligen Leiter des "Komitees für gesellschaftliche Selbstverteidigung" (KOR), darunter Jacek Kuron und Adam Michnik.

Zwist um eine Vokabel

Die ersten Falkland/Malvinas-Gespräche zwischen London und Buenos Aires seit dem Krieg vom Frühjahr 1982 brachen in Bern zusammen.

England: Kampf dem inneren Feind

Im Falkland-Krieg habe es Großbritannien mit dem äußeren Feind zu tun gehabt, verdeutlichte Margaret Thatcher ihren Landsleuten die Lage.

Die Tat tapferer Patrioten

Der Versuch, Hitler am 20. Juli 1944 zu töten, mußte gemäß DDR-Historikern bisher scheitern, weil Monopolbourgeoisie und reaktionäre Kräfte sich zusammengetan hatten.

BONNER BUHNE: Ewig gewährt die Ungewißheit

Es sei ihr, schwört die Regierung, nur ums Prinzip gegangen. Ein ganzer Sattelschlepper mit neun Tonnen Ladung als Diplomatengepäck? Da könnte ja jeder kommen – etwa mit einem Zeppelin, wie Regierungssprecher Zeppelin, mit zukunftsweisender Phantasie sagte.

Erpressung, Bestechung, Mord und Putschversuche: In der Geheimloge "Propaganda Due" laufen Spuren fast aller politischen Skandale Italiens zusammen. Jetzt hat ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß das Komplott von "Ehrwürdigen Meistern", Ministern und Ganoven durchleuchtet: Die Loge des Bösen

Irgendwo in Südamerika – in Argentinien, in Uruguay, in Paraguay, wer weiß es? – sitzt Licio Gelli. Der flüchtige "Ehrwürdige Meister" der römischen Freimaurerloge P 2 kann halb Italien erpressen.

Krockows gesellschaftlicher Wegweiser: Ohne akademischen Ballast

Die Zeichen der Zeit verraten kein eindeutiges Profil. Das Titelbild des Buches weiß es geradezu symbolhaft zu vermitteln: Plexiglaskugel mit rotierenden Propellern – alles verschwimmt vor den Augen des Betrachters zu einer undefinierbaren Motorik vor düsterem Hintergrund.

Fernseh-Zeit: Wer erklärt die Welt?

Den Fernsehdirektoren der ARD ist dieser Sommer gründlich verhagelt. Die Sender-Intendanten haben den Herren auf der Ebene unter sich Strafarbeiten aufgebrummt.

Umweltskandal: Mit Altöl Geschäfte angeheizt

In Berlin wurde ein Umweltskandal aufgedeckt, dessen Ausmaß noch gar nicht zu überblicken; ist. Mehrere Groß- und Zwischenhändler haben durch Beimengung sogenannten Gasöls verunreinigtes Heizöl in Verkehr gebracht, dessen Verbrennung das hochgiftige Dioxin freisetzen kann.

Wieder einmal: zu spät: Ein einsames Gerüst

Warum machen die das kaputt, Papa?" Papa weiß wohl auch nicht so genau. Jedenfalls bleibt er die Antwort schuldig, läßt den Blick wortlos über die herumliegenden Trümmer und den Bagger mit der Abrißkugel schweifen.

Universitäts-Buchhandlung: Bitte Bares

Der Freiburger Verlag Rombach und Co. ist ein dem Markt ganz besonders verpflichtetes Unternehmen. In der Kundenzeitschrift Rombach-News wurde das einmal so formuliert: "Bei Rombach gehen die Uhren anders.

Kultur für alle

Immer mehr Information, Kultur oder Unterhaltung sind nur dadurch zugänglich, daß sie durch Massenmedien vermittelt werden. Kultur ist seit der Erfindung der Buchdruckkunst durch Johannes Gutenberg immer auch eine durch Medien geprägte Kultur.

Der Kompromiß stinkt zum Himmel

Was sich wie bajuwarische Schlitzohrigkeit anhört, ist die reine Wahrheit: Dem Beschluß des Deutschen Bundestages, das Kraftwerk Buschhaus bei Helmstedt erst nach Einbau einer Rauchgas-Entschwefelungsanlage in Betrieb gehen zu lassen, werde man, so Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann am ehesten dadurch gerecht, daß man das Kraftwerk schon jetzt anfahre – ohne Filter.

Umweltschutz: Zwei Dinge

Überall im Lande äußern in den letzten Tagen Berufene und Unberufene Sinnvolles und Unsinniges zu Autoabgasen und Waldsterben; überall werden – widersprüchliche – Patentrezepte zur Entgiftung der Autos ausgeschrieben.

Formal ist alles rechtens

Die Berufung von Martin Bangemann zum neuen Bonner Wirtschaftsminister ist gelegentlich wegen unzureichender ökonomischer Kenntnisse des Kandidaten kritisiert worden.

Bonner Kulisse

Die Kunden der Deutschen Bundespost brauchen sich nicht länger darüber zu wundern, daß Briefe und Pakete so lange Laufzeiten haben.

Kuponsteuer: Überflüssig

Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl hat gefordert, die überflüssige Kuponsteuer abzuschaffen. Beifall ist ihm von allen Seiten sicher, nur nicht von den Steuerexperten im Bundesfinanzministerium.

Subvention: Millionen für ein Geisterschiff

Friedliebende Menschen sollten derzeit in Bremen besser ein Gesprächsthema vermeiden – zumindest in Gegenwart bestimmter Personen: Der ansonsten ruhige, besonnene Kapitän Klaus Meyer flippt zum Beispiel regelrecht aus, wenn die Sprache auf das "Schiff der Zukunft" kommt: "Das ist doch alles eine Riesensauerei!" Der Arbeitssenator des kleinsten Bundeslandes, Claus Grobecker, schimpft: "Skandal".

TA-Luft: Ministermacht

Wer Innenminister Friedrich Zimmermann zuhört und davon ausgeht, daß dieser Mann sich durchsetzt, dem muß das Schicksal der Grünen besiegelt erscheinen.

Schweiz: Befleckt

Kein Geldgeschäft, für dessen diskrete Ausführung Schweizer Bankiers nicht einen Trick fanden. Doch auch in der Schweiz, so mußten Kritiker bis jetzt eingestehen, gibt es Saubermänner, die auf den guten Ruf des Gewerbes bedacht sind.

Großbritannien: "Ich bin der Boß"

Nur wenige Stunden nach der Übernahme der Mirror Group Newspapers, einer der größten britischen Zeitungsgruppen, stellte Robert Maxwell klar, daß er sich nur für Bilanzen und Gewinne interessiert.

Japan: Löcher im Netz

Als wir einmal die Bilanzen unserer japanischen Kreditkunden genauer prüfen wollten, zeigte man sich sehr entrüstet über die Unterstellungen möglicher Krisen", erzählt der Filialleiter einer großen deutschen Bank in Tokio.

Schallplattenmarkt: Riesen rücken enger zusammen

Auf dem Programm stehen zwei Mammuthochzeiten mit musikalischem Hintergrund: die Fusion der amerikanischen Warner Communications mit der Polygram-Gruppe und die Verschmelzung von Bertelsmanns Musikgeschäft mit dem amerikanischen Medienriesen RCA.

Börsen-Report: Mut fehlt

Die Banken versuchen ihre immer nervöser werdende Wertpapierkundschaft aufzumuntern. Man solle die Flinte nicht ins Korn werfen, tröstet die Deutsche Bank, denn nach aller Regel folgt einer längeren Phase stärkerer Kursrückgänge eine technische Erholung.

+ Weitere Artikel anzeigen