Immer mehr Information, Kultur oder Unterhaltung sind nur dadurch zugänglich, daß sie durch Massenmedien vermittelt werden. Kultur ist seit der Erfindung der Buchdruckkunst durch Johannes Gutenberg immer auch eine durch Medien geprägte Kultur. Eine Kultur ohne Bücher kann sich heute niemand mehr vorstellen.

Die Medien übernehmen quasi eine Dienstleistungsfunktion für die Kultur; sie sorgen dafür, daß sie transparent wird, daß die einzelnen Phänomene jedem zugänglich sind. Es kann jedoch auch das Gegenteil der Fall sein: Medien verschleiern Sachverhalte. Sie dienen dann nicht mehr der Aufklärung, sondern der Propaganda und Manipulation. Dies geschieht in vielen Ländern der Erde und war auch in Deutschland vor noch nicht allzu langer Zeit der Fall.

Es ist also berechtigt, von der gesellschaftlichen Verantwortung der Medien zu sprechen – vor allem auch dann, wenn zu den alten noch neue Medien hinzukommen, die ihre Bewährungsprobe noch vor sich haben.

Dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen kommt innerhalb der kulturellen Gesamtverantwortung eine Teilverantwortung zu. Aus diesem Verantwortungsbereich läßt sich ableiten, was der Kulturauftrag des öffentlich-rechtlichen Fernsehens meint.

Die vielen verschiedenen Definitionen, die die Kommunikationswissenschaft für den Massenkommunikationsprozeß anbietet, heben immer wieder hervor, daß sich Massenkommunikation an "relativ große, heterogene und anonyme Publika" wendet (Charles R. Wright). Das Angebot des Fernsehens richtet sich somit nicht, wie zum Beispiel ein Fachbuch, an ein jeweils bestimmtes, sondern an ein allgemeines Publikum.

Fernsehen kann daher Kultur nicht als die Errungenschaft einiger weniger für einige wenige verstehen, sondern als die Kultur einer Gesellschaft für die Gesellschaft. Das heißt: Um den Verantwortungsbereich des Fernsehens zu beschreiben, muß ein weit gefaßter Begriff von Kultur zugrundegelegt werden.

Der traditionelle, bildungsbürgerliche Kulturbegriff des 19. Jahrhunderts läßt sich zur Beschreibung des Kulturauftrags des Fernsehens nicht heranziehen. Denn sonst wären lediglich kulturelle Programme im engeren Sinne, also Literatur- und Kunstsenaungen, Theateraufführungen und Darbietungen ernster Musik angesprochen, die sich zumeist auf den unteren Plätzen des Interesses der Zuschauer finden. Dem Fernsehen kann es nicht darum gehen, Elitekultur zu vermitteln, die dann keine oder nur sehr wenige Zuschauer findet, sondern es soll Kultur in einer Weise anbieten, die Kultur als lebenswichtigen Bestandteil des individuellen und gesellschaftlichen Bewußtseins ausweist.