"Ich weiß, daß Sie die Herausstellung Ihrer Person gar nicht lieben", meinte Hugo Rupf, bis vor einigen Wochen Aufsichtsratschef der Robert Bosch GmbH, in seiner Laudatio auf Hans L. Merkle, den früheren Vorsitzenden der Geschäftsführung des Unternehmens und inzwischen Nachfolger von Rupf im Aufsichtsrat. Vermutlich werde Merkle, so meinte der Redner weiter, "nur widerstrebend zuhören".

Rupf hat dies zu Recht befürchten müssen, denn er fuhr fort: "Der Römer Plinius schreibt: ‚Die Königin der Bienen hat keinen Stachel, sie herrscht durch Majestät.‘ Auch Sie, lieber Hans Lutz Merkle, herrschen geradezu majestätisch durch Ausstrahlung Ihrer Persönlichkeit." Und weil ihm das noch nicht genügte, verstieg sich der Redner zu der Formulierung: "Zur Charakterisierung von Hans Merkle möchte ich auf die griechische Mythologie zurückgreifen, auf die Helden Homers, Hans Lutz Merkle ist wie Nestor, abgeklärt und weise wie Achilles, erfolggewohnt und kaum verwundbar, so mutig wie Diomedes und Ajax, die Helden vor Troja, und bescheiden wie Diogenes, der in der Bedürfnislosigkeit der Menschen das höchste Gut erblickte."

Ein Glück nur, daß diese Rede lediglich vor den Gesellschaftern und Aufsichtsratsmitgliedern von Bosch gehalten und nur in der Werkszeitung, dem Bosch-Zünder, veröffentlicht worden ist. Wer Hans L. Merkle kennt, weiß spätestens jetzt, warum er Personenkult bisher immer abgelehnt hat.

Richard Gaul