West-Berlin

In Berlin wurde ein Umweltskandal aufgedeckt, dessen Ausmaß noch gar nicht zu überblicken; ist. Mehrere Groß- und Zwischenhändler haben durch Beimengung sogenannten Gasöls verunreinigtes Heizöl in Verkehr gebracht, dessen Verbrennung das hochgiftige Dioxin freisetzen kann. Der Gewerbeaußendienst der Berliner Polizei hat bisher in Berlin die Geschäftsräume von fünf Firmen sowie etliche Wohnungen von Geschäftsführern durchsucht; auch in Westdeutschland soll es mittlerweile in mehreren Städten Durchsuchungen gegeben haben. Nicht auszuschließen ist, daß die Praktiken, die in Berlin aufgedeckt wurden, auch anderswo üblich sind.

Gasöl ist Kohlenwasserstoffe, Altöl. Es enthält chlorierte Kohlenwasserstoffe, darunter möglicherweise auch polychlorierte Biphenyle (PCB), aus denen bei Verbrennung das Seveso-Gift Dioxin entsteht, sofern die Verbrennungstemperatur unter 1200 Grad liegt. Ölbrenner in Heizanlagen erreichen nur im Idealfall höhere Temperaturen, bei denen PCB ungiftig verbrennt.

Deshalb dürfen Gasöle nur als Schmiermittel verwendet und keineswegs dem Heizöl beigemengt werden. Nach der Heizöl-Verordnung darf Heizöl nur aus der Erstraffinerie und nicht aus wiederaufbereiteten, Ölen stammen. Offenkundig gibt es auch keine wirksamen Kontrollen, welche Stoffe noch in den zur Zweitraffinerie angelieferten Ölen sein können. Es wird vermutet, daß das gebrauchte Öl auch mit Lösungsmitteln und anderen Chemikalien versetzt ist, che die Altöllieferanten auf andere Weise nicht loswerden können.

Die Tonne Gasöl kostet auf dem Markt rund 300 Mark, Heizöl aber etwa 700 Mark. Die Beimischung von Gasöl zum Heizöl lohnt sich also. Nach den bisherigen Erkenntnissen sind in den letzten Jahren einige 100 000 Tonnen Gasöl nach Berlin geschafft und hier etwa im Verhältnis 1 : 30 dem Heizöl beigemengt worden. Das Gasöl wurde, soweit bisher bekannt, von der Firma Edelhoff aus Iserlohn gekauft; es stammt aus einer Bochumer Aufbereitungsraffinerie. Zwischenhändler war die Firma Felger, die das Gasöl nach Berlin lieferte, aber, wie ihr Geschäftsführer erklärt, nicht weiß, wofür es dann verwendet wird.

Im Spandauer Südhafen wird das Gasöl von der Firma Haltermann in einem 600 000-Liter-Tank eingelagert. Abnehmer sind nach bisherigen Erkenntnissen die Bochumer Firma Bomin, die in Berlin wegen ihrer niedrigen Preise bekannt ist und übrigens Heizöl vor allem aus der DDR bezieht, sowie die Firma Mabanaft.

Bekannt wurden diese geschäftlichen Verbindungen durch die Recherchen des Wirtschaftsmagazins Plus-Minus vom Westdeutschen Rundfunk. Doch ist seit einiger Zeit auch der Berliner Senat dem Skandal schon auf der Spur. Vor Wochen wurden jedenfalls verdächtigem Gasöl Proben entnommen. Ihre Untersuchung in einem Labor der Berliner Gasag hat ergeben, daß es 50 ppm (parts per million) PCB enthielt. Wenn man von einem Beimischungsverhältnis von 1:30 bis 1:50 zum Heizöl ausgeht, dann würde verunreinigtes Heizöl nur etwa 1 ppm PCB enthalten. Nach einer Höchstmengenverordnung in den USA ist eine PCB-Verunreinigung von 50 ppm noch ungefährlich, so daß der Berliner Senat nach dem bisherigen Erkenntnisstand gesundheitliche Gefährdungen durch das Heizöl ausschließt.