Die Banken versuchen ihre immer nervöser werdende Wertpapierkundschaft aufzumuntern. Man solle die Flinte nicht ins Korn werfen, tröstet die Deutsche Bank, denn nach aller Regel folgt einer längeren Phase stärkerer Kursrückgänge eine technische Erholung. Aber mehr wagt auch die Deutsche Bank nicht in Aussicht zu stellen.

Andere Institute raten entweder völlig vom Kauf deutscher Aktien ab oder empfehlen eine "defensive" Anlagepolitik, das heißt den Erwerb von Aktien, die durch ihre Rendite eine gewisse Stütze erfahren. Der "Ertrag je Aktie", ein sonst üblicher Bewertungsmaßstab, hat bei der Kursbildung an Bedeutung eingebüßt. Würde er gelten, müßten sich die internationalen Investoren auf deutsche Aktien geradezu stürzen. Denn viele deutsche Standardaktien sind nach den letzten Kursrückgängen im internationalen Vergleich geradezu sensationell billig geworden.

Aber Ausländer kaufen nur noch selten, sie verkaufen eher. Niemand weiß eigentlich so recht, warum. Ist es der lange Streik in der Metallindustrie, der zweifellos internationales Vertrauen gekostet hat? Sind es politische Gründe, etwa das Vorrücken der Grünen in der Europawahl, die zu einer Neuorientierung geführt haben? Oder ist es einfach die Überzeugung, daß die im August 1982 begonnene Aktienhausse inzwischen ihr natürliches Ende gefunden hat?

Eigentlich sollten die aus dem Dollarraum stammenden Investoren den derzeit hohen Dollarkurs zum Erwerb der "billigen" deutschen Aktien nutzen. Aber der Dollar galt schon als teuer, als er an der Devisenbörse um 2,50 Mark gehandelt wurde. Heute steuert er auf 2,90 Mark zu. Wie steht es in der nächsten Woche?

Wenn Ausländer kaufen, so konzentrieren sie sich auf den Bereich der Großchemie. Sie treffen dabei mit deutsche institutionellen Anlegern zusammen, die sich nach Anhebung der Dividenden für 1984 eine Rendite ausrechnen, die den deutschen festverzinslichen Papieren sehr nahekommt. Das ist der Grund, warum sich die Kurse von BASF, Bayer und Hoechst in jüngster Zeit einigermaßen stabil gehalten haben.

Als sehr empfindlich erweisen sich immer noch die Bankaktien. Das hängt einmal mit der Krise zahlreicher Banken in den USA zusammen, aber auch mit der Tatsache, daß die deutschen Kreditinstitute ihren Ertragshöhepunkt überschritten haben. Bei der Commerzbank war das "Teilbetriebsergebnis" in den ersten Monaten dieses Jahres gegenüber dem halben Wert des Vorjahres um fast 15 Prozent rückläufig. Auch die Gewinne im sogenannten Eigenhandel gingen zurück. Andere Institute melden ebenfalls Ertragsrückgänge. Sie werden zwar mit Sicherheit nicht bis zu den Dividenden durchschlagen, aber ermutigen auch nicht gerade, Bankaktien zu erwerben. K. W.