Sie werden keine Medaille gewinnen, aber vielleicht die eine oder andere verhindern: Die Chemiker des Doping-Labors der Olympischen Spiele haben sich mindestens ebenso intensiv auf die große Slow vorbereitet wie die Athleten. "Das ist ein einmaliges Ereignis für die analytische Chemie", würdigt Don Catlin die Aufgabe seiner Mannschaft, die in den nächsten Wochen rund um die Uhr nach Doping-Sündern fahnden will. Catlin ist Direktor des Olympischen Labors und Chef der Abteilung für klinische Pharmakologie an der Universität von Kalifornien in Los Angeles. Er und seine Mannschaft werden eine "wahrhaft bewunderswerte technische Leistung" vollbringen müssen, lobt das Fachblatt Chemical & Engineering News: "Eine große Zahl an Proben muß auf Spuren von Medikamenten mit größtmöglicher Genauigkeit und in sehr kurzer Zeit analysiert werden." Zur Untersuchung der Urinproben von rund 1500 bis 1600 Sportlern – Sieger und Stichproben-Opfer – stehen den Chemikern eine Batterie von Gas-Chromatographen, acht Massenspektrometer und anderes hochempfindliches Analysegerät samt Computern im Wert von anderthalb Millionen Dollar zur Verfügung. Ein zur Dopingkontrolle ausgewählter Athlet muß nach 60 Minuten sein Wasser unter Aufsicht eines Kontrolleurs seines Geschlechts lassen. Wenn mindestens 75 Milliliter im speziell ausgewählten Glasbehälter schwimmen, wird die Probe in zwei Fläschchen geteilt: eines kommt zur späteren Kontrolle in den Kühlschrank, der Inhalt des anderen wird auf vier Röhrchen verteilt und nach allen Regeln der Kunst analysiert. Stoßen die Fahnder auf Spuren verbotener Dopingmittel, informiert der Medizinische Ausschuß des IOC den Verband des Landes, aus dem der Athlet kommt. Dann wird die Analyse mit dem Stoff aus dem Kühlschrank vor Beobachtern wiederholt. Wichtiger noch als die Supergeräte, betont Catlin, sei "die Qualität und das Training der Mitarbeiter". Wenn nämlich keine saubere Probe in die Geräte eingegeben wird, kommt es zum bekannten Ergebnis: Müll ’rein, Müll ’raus. GH