Scharen von Wohnmobil-Touristen fielen 1983 in Schleswig-Holstein ein und hinterließen an Straßenrändern, auf Wiesen und Feldern oft unschöne Spuren. Das soll sich in diesem Jahr nicht wiederholen.

Fremdenverkehrsverband, Innen- und Landwirtschaftsministerium konferierten über das Problem der "wild" parkenden Camper und sannen auf Abhilfe. Heraus kam dabei ein Merkblatt, das nun an alle Wohnmobil-Fahrer verteilt werden soll, die durch und nach Schleswig-Holstein reisen.

"Es kam in diesem Zusammenhang", heißt es da vornehm formuliert über die 1983er Camper-Invasion, "zur Einleitung von Fäkalien in die Oberflächenentwässerung, zu Verkehrsbehinderung und zu für beide Seiten unerfreulichen Begegnungen zwischen Wohnmobilinhabern einerseits und Polizeibeamten und Mitarbeitern der Ordnungsämter andererseits."

Um solches künftig zu vermeiden, werden die Camper über die geltende Rechtslage aufgeklärt. Ein Paragraphen-Gewitter soll sie erschrecken, die Androhung eines Bußgeldes soll sie auf den nächsten Campingplatz treiben.

Dies wird, weiß freilich auch Klaus Gartzke vom Fremdenverkehrsverband, nur auf schlichte Gemüter Eindruck machen. Zu spitzfindig ist die Interpretation des Landschaftspflegegesetzes, wonach "zum Zwecke der Fahrtunterbrechung" ein Wohnmobil sehr wohl über Nacht auf öffentlichen Verkehrsflächen stehen darf, "zum Zwecke des Aufenthalts" aber nicht. "Ein Camper muß auf Befragen schon sagen: Ich stehe hier schon seit Tagen und mache Urlaub, um juristisch verfolgt werden zu können", zweifelt Gartzke am Erfolg der Merkblatt-Aktion.

Die Polizeibehörden weigern sich denn auch, zu Unrecht "wild" parkende Camper systematisch aufzustöbern und zu verwarnen. "Dafür haben wir die Leute gar nicht", sagt ein leitender Beamter. Die Gemeinden seien selbst schuld an der Camper-Plage. Sie hätten den Trend zum Wohnmobil verschlafen und nicht beizeiten ausreichend Stellplätze geschaffen: "Wo sollen die Urlauber auf Fehmarn und Sylt denn hin, wenn die Campingplätze dort hoffnungslos überfüllt sind?"

Uwe Knüpfer