Am 22. Juli wurde in Polen zum 40. Mal die Geburt der ungeliebten kommunistischen Regierung gefeiert, die 1944 die legale in London domizilierte Exilregierung entsetzt hat und die nun diejenigen amnestiert, die sich jene zurückwünschen: polnische Dialektik.

Wer war der Stärkere bei dieser Aktion? Die Regierung, die alle Gefängnisse öffnete – was keine andere östliche Regierung sich leisten könnte –, oder die Bevölkerung, die durch ihre Renitenz die Regierung dazu gezwungen hat? Schwer zu sagen. Jedenfalls ist es eine grandiose polnische Lösung.

Dieses Land, dessen Existenz aus jeweils verschiedenen Gründen stets auf des Messers Schneide stand, hat seine Bürger – Regierende wie Regierte – zu politischen Akrobaten und Artisten erzogen, die nirgends in der Welt ihresgleichen haben. Man muß hoffen, daß die entlassenen Mitglieder von KOR und Solidarnośč diese Qualität von neuem beweisen und den Zorn, der sich in ihnen aufgestaut hat, zunächst einmal unter Kontrolle halten. Sonst hätten die Amerikaner einen neuen Grund, die Sanktionen nicht aufzuheben, mit denen sie auf die sowjetische Führung zielten, aber das polnische Volk trafen: westliche Dialektik. Dff.