Während der Hauptreisezeit im Juli und August registrieren Deutschlands Pauschalreiseveranstalter die größte Anzahl von Urlaubern, die von einer gebuchten Ferienfahrt zurücktreten. Die falligen Stornogebühren werden allerdings oft zu Unrecht einbehalten.

Der reisewillige Familienvater, der mit Frau und Kind beim Euskirchner Reisebüro Gerd Mirgler eine Jahn-Flugpauschalreise für 4026 Mark nach Mallorca gebucht hatte, mußte aus "zwingenden Gründen" den geplanten Urlaub plötzlich absagen, weil der Rücktritt vom "14. bis 7. Tag vor Reiseantritt" erfolgt war, wären nun nach den Reisebedingungen des Münchner Veranstalters 40 Prozent des Reisepreises – 1610 Mark – als Stornogebühren fällig gewesen. Aber ein Anruf in München genügte, um festzustellen, daß die ursprünglich gebuchten Plätze der Euskirchner Familie bereits wieder verkauft worden waren – rechtliche Voraussetzung dafür, lediglich die Bearbeitungsgebühren (50 bis 100 Mark) für den Stornofall zu bezahlen.

Glücksfälle solcher Art sind allerdings nicht die Regel. Allenfalls in der Hauptreisezeit im Juli und August düsen die Chartermaschinen ausgebucht in den Süden. Dementsprechend groß ist die Chance für die Veranstalter, stornierte Reisen schnell wieder an den Urlauber zu bringen. Dabei machen die Reisehändler nicht selten einen guten Schnitt. Denn freiwillig zahlen sie die Stornogebühren für die doppelt verkaufte Reise nicht zurück. Karl Maute, Pressesprecher der Frankfurter NUR Touristic: "Für einen Großveranstalter ist es unmöglich, bei jeder stornierten Reise nachzuprüfen, ob sie wieder verkauft worden ist. Das kann ein Kleinveranstalter machen, der im Jahr 60 oder 70 Kunden hat."

Je nach Zielgebiet, Jahreszeit und Reiseart schwanken auch die Stornierungshäufigkeiten. Aber durchschnittlich wird jede zehnte Pauschalreise wieder abgesagt, wobei allerdings zu bedenken ist, daß "den größeren Teil der Stornierungen die Umbuchungen ausmachen" (Maute). Dafür zahlt der Kunde, wenn bestimmte Fristen eingehalten werden, in der Regel 15 oder 20 Mark, wogegen bei Fristüberschreitungen aus der vermeintlichen Umbuchung eine – sehr viel teurere – Stornierung mit Neuanmeldung wird. In einem noch nicht rechtskräftigen Urteil ist diese Praxis jetzt vom Kammergericht Berlin untersagt worden. Weil aber "klärungsbedürftige Rechtsfragen von allgemeiner Bedeutung" vorliegen, wurde Revision zugelassen.

Problemlos gestaltet sich indessen für den Storno-Gast die Reiseabwicklung, wenn er eine Ersatzperson stellen kann. Dann sind in der Regel nur ein paar Mark für die Namensumschreibung fällig.

Das Risiko eines plötzlichen Reiserücktritts kann durch Spezialversicherungen gemindert, wenn auch nicht hundertprozentig abgedeckt werden: Bei Unfall, Tod oder schwerer Krankheit eines Angehörigen über 75 Jahre erhält der Versicherte keinen Pfennig, auch nicht, wenn Streik oder plötzliche Arbeitslosigkeit den Urlaub unmöglich machen. Und selbst wenn der Reisepartner – Ehemann oder -frau, Geschwister oder Kinder – schwer erkrankt, muß der Versicherte 20 Prozent der Reiserücktrittskosten selbst aufbringen, "mindestens aber 50 Mark".

Trotz der kleingedruckten Fallen überwiegen jedoch die Vorteile einer Reisekostenrücktrittsversicherung, deren Kosten das Urlaubsbudget kaum belasten. Nach Schätzungen des Deutschen Reisebüro-Verbandes schließt allerdings nur knapp die Hälfte der Pauschalreisenden eine Reiserücktrittskosten-Versicherung ab. Kunden- und servicefreundlich kalkulieren etliche deutsche Reiseveranstalter die Prämie für diese Versicherung automatisch in den Reisepreis ein. Darauf wird allerdings auch nur im Kleingedruckten hingewiesen – zum Vorteil der Versicherungsgesellschaften.