Vier Konzerne wollen ihre Musiksparten fusionieren

Von Carl Graf Hohenthal

Auf dem Programm stehen zwei Mammuthochzeiten mit musikalischem Hintergrund: die Fusion der amerikanischen Warner Communications mit der Polygram-Gruppe und die Verschmelzung von Bertelsmanns Musikgeschäft mit dem amerikanischen Medienriesen RCA. Die Unternehmen sind zur Ehe bereit, es fehlt noch das Ja-Wort des Bundeskartellamtes in Berlin. Eine ursprünglich für Anfang Juli geplante Entscheidung der Wettbewerbshüter zur Fusion von Warner mit Polygram wurde vertagt; die Beamten setzten den Unternehmen eine Frist bis zum 30. September. Bis dahin haben sie Zeit, die Befürchtungen des Kartellämtes zu zerstreuen, daß die Musikkonzerne zu mächtig werden. Wenn diese Entscheidung in Berlin positiv ausfällt, haben auch Bertelsmann und RCA gute Chancen für ihren Plan.

Derzeit erreichen hierzulande CBS (15 Prozent), Warner (6 Prozent) und Polygram (28 Prozent) zusammen gerade 49 Marktanteil. Die magische Zahl "50" wird aber schnell überschritten, wenn Bertelsmann (15 Prozent) mit RCA (4 Prozent) und Warner mit Polygram zusammengehen. Die dabei entstehenden zwei Unternehmen hätten schon einen Marktanteil von 53 Prozent.

In dieser Not rücken auch Riesen enger zusammen. Mit den Fusionsplänen wollen die großen Unternehmen der gespannten Situation auf dem Plattenmarkt begegnen. Richtig gut geht es von den Großen nur einem Konzern, der bezeichnenderweise beim Fusionskarussell auch nicht mitfährt: CBS. Dessen Erfolg kam vor allem deshalb zustande, weil das Unternehmen die richtigen Künstler verpflichtet hat; mit Leuten wie Nena und Michael Jackson läßt sich derzeit viel Geld verdienen – allein von Jacksons Platte "Thriller" wurden bisher rund 35 Millionen Exemplare verkauft. CBS hat daran über 350 Millionen Mark verdient. Solche umsatzträchtigen Stars kann die Konkurrenz derzeit nicht aufbieten. Da schlagen dann die allgemeinen Negativtendenzen der Branche umso stärker durch, die bereits mit der Erfindung der Tonkassette begannen. Damit waren die goldenen Sechziger, als es nur Platten zu kaufen gab, vorbei.

Mitschneiden ist billiger

Wer heute Musik hören will, kann das viel billiger: durch Mitschneiden von Radiosendungen oder überspielen einer geliehenen Platte. Durch dieses "Hometaping" ist beispielsweise der deutsche Plattenabsatz seit 1980 um sechzehn Prozent geschrumpft. Stärker als die Stückzahlen fielen die Preise. Der CBS-Marketingchef Heinz Canibol beziffert allein für die ersten vier Monate dieses Jahres den Umsatzrückgang am Plattenmaikt auf zehn Prozent gemessen am gleichen Vorjahreszeitraum.