Die Straßen sind hell und blaß vom Staub und von der, Hitze. Staubig und bleich sind die Dächer. Oben in den Bergen soll Schnee liegen. Aber die Berge sind unsichtbar im Dunst. Nur flache, von der Sonne lehmbraun gebackene Ziegeldächer bis zum Horizont. Irgendwo dazwischen hat Roy sein Haus. Eigentlich heißt er Roy junior, obwohl er 62 ist. Er heißt nach seinem Vater. "Hey Buddy, wie alt schätzt da mich?" Du zögerst, und er sagt, "ihr lernt das nie, ’nen Nigger zu schätzen".

Also er lehnt da an der Ampel, genau an der Stelle, die wir aufgemacht hatten, und hat die rote Baseballmütze auf dem Kopf, damit wir uns wiedererkennen. Das Auto steht noch nicht ganz, da ruft er, hey Buddy, ich dachte schon, du hast mich vergessen. Und er zieht seine Hände aus den Taschen seines Overalls, als ob das Colts wären, und in seinem Gesicht sind mindestens tausend Falten und ein ganzer Schwann Schmetterlinge darüber hin. Wir wollen Kokoskuchen mit Eiscreme essen, und dann fängt Roy an zu erzählen.

"Hier bin ich aufgewachsen. 37. Straße, Normandie Avenue. Da drüben ist gleich das Coliseum. Als die Olympiade war, war ich zehn. Das mußt du seh’n, hat mein Daddy gesagt, das siehst du dein ganzes Leben nicht wieder. Damals hat er für mich 50 Cents bezahlt und er anderthalb Bucks. War ’n Haufen Geld für einen, der unter Work Progress Administration stand. Und ich hab Eddie Tolan und Ralph Metcalfe über 100 Meter um die Goldmedaille laufen sehen. Ob das wohl Läufer waren! Ein Cousin von Ralph Metcalfe ist bei mir im Klub. Er sagt, Ralph hätte später in Berlin ein Interview mit Adolf Hitler gehabt. Von uns war ja niemand dabei, und Ralph ist tot.

Wenn wir damals im Coliseum waren, haben wir alles vergessen. Haben sie dir zu Hause das Wasser abgestellt, den Strom, weil du die Rechnung nicht bezahlt hast – im Coliseum warst du in einer anderen Welt. Das ist der Unterschied, Buddy. Heute ist es schwerer, das Vergessen. Das Coliseum war ein heiliger Platz, der Mann da über uns soll mir vergeben, ein heiliger Platz, und im Football haben die vom USC-College gegen die vom Notre Dame-College gespielt, die Methodisten gegen die Katholiken.

Aber das ist alles Quatsch. Entweder glaubst du an den Mann da über uns, oder nicht, und ich rede kein Wort mehr zu einem meiner Cousins. Er ist zu den Zeugen Jehovas übergetreten, na, wenn schon, aber dann kam er zu uns nach Hause und sagte ,Bruder‘ zu mir, und ich sagte, der einzige Bruder, den ich auf der Welt habe, heißt Arthur, und der hat denselben Vater wie ich, auch wenn er verrückt ist.

Daddy war Schaffner im Pullman-Waggon zwischen Fort Worth und New York, und dann war er Chauffeur bei einer Kohle-Gesellschaft. In Dallas. Als er da wegging, haben sie ihm ein Diplom gegeben, daß er der beste Chauffeur in ganz Texas war. Trinkt nicht, raucht nicht, vertrauenswürdig. Das war 1917, und dann ging er nach Kalifornien.

Yvonnes Vater war auch Chauffeur. Fuhr ’nen stinkreichen Weißen in New Orleans. Der hat aber das feuchte Klima nicht vertragen, und weil er ’ne Masse Geld hatte, sind sie weg, immerzu nach Westen, bis es ihnen irgendwo gefiel, und dann sind sie in einem Indianer-Reservat hängengeblieben. Palm Springs. Dort hat er meinem Schwiegervater ein gutes Stück Land gekauft, damit er bei ihm bleibt. Und wenn Yvonne sich scheiden lassen will, dann kriege ich die Hälfte von dem Land, das ist hier nämlich Gesetz. Komm, ich verjux’ dich.