ZDF, Mittwoch, 18. Juli, 22.10 Uhr: "Warum habt ihr Hitler widerstanden Dokumentation von Guido Knopp und Ralf Piechowiak; ARD, Donnerstag, 19. Juli, 20.18 Uhr: "Er wollte Hitler töten" – Ein Porträt des Axel von dem Bussche; ZDF, Freitag, 20. Juli, 23.20 Uhr: "Der 20. Juli", Deutscher Spielfilm von 1955; alle Dritten Programme der ARD, Freitag, 20. Juli, 20.15 Uhr: "Der deutsche Widerstand gegen Hitler"

Über Tage hinweg tobte sich die Gedenktags-Besessenheit der Rundfunkanstalten aus Stauffenberg hier, Goerdeler da, Beck alleweil präsent, Witzleben abgehakt, Kluge immer dabei. Photographien in Hülle und Fülle (der künftige Verschwörer als Kind unter den Seinen), Filmausschnitte (ein Attentäter hoch zu Roß), Spielszenen en masse: Triumphe der Maskenbildner und Regisseure, die Stauffenberg, mit Augenklappe und tragischem Pathos, in einen jugendlichen Wotan verwandelten.

Mammut-Theater auf allen Kanälen: Schauplätze wurden rekonstruiert, Rasenstücke mit längst zerstörten Baracken besiedelt, Trümmer zu Bunkern gefügt, leere Säle in Kommandozentralen zurückverzaubert, wo Schreibtische standen und Menschen ein und aus gingen. "Hier hat Stauffenberg gearbeitet", "da stand der Kartentisch "dort vor der Tür hing die Hakenkreuzfahne, in die ein Loch hineingebohrt war, und durch dieses Loch blickte ein Kameraauge über Freislers Schulter hinweg auf die Angeklagten."

Statt den Versuch zu unternehmen, Dokumente, in erregenden Pro- und Contra-Gesprächen, zum Leben zu erwecken, hielt man sich an Grasbüschel, Hotelhallen, Villen, Türen und Möbel: "Hier sind sie hindurchgegangen, damals", "hier hat er gesessen", "hier löste sich der Schuß." Schmierentheater am 20. Juli – und ein peinliches dazu: Angehörige zweier Generationen, Peter von Zahn und Günther Jauch, sicherten, wie sie wissen ließen, Spuren, indem sie Mieter und Besitzer der Berliner Villa, von der aus Stauffenberg vor vierzig Jahren nach Rastenburg aufbrach, über ihren Vorbewohner befragten.

Dem Betrachter am Bildschirm verschlug es den Atem: Zwei Männer zogen durch Berlin, Zahn und Jauch, sagten steifleinerne Texte auf, inszenierten mal mit Fachleuten, mal mit Zeugen, das ging alles wirr durcheinander, Gespräche, die keine waren, und hatten am Ende die Stirn, in Plötzensee den Bericht eines Kameramannes über die Hinrichtung der Verurteilten mit verteilten Rollen zu verlesen, während ihrer beider Schatten malerisch auf die Zellenwand fielen.

Drei Stunden lang verdeutlichten! die vereinten Dritten Programme, was Unangemessenheit in Wort und Bild ist: als ob ein Lehrstück in Sachen Themaverfehlung inszeniert werden sollte – indezentes Geplauder statt sachliche Information, Detektivspielerei auf Provinztheaterniveau, wo nüchterne Deutung gefragt war. Ach was, Deutung! Richtige Vorführung der Fakten jedenfalls: Keine Verwechslung von Sportler- und Hitlergruß zum Beispiel, Keine Abstempelung der französischen Olympioniken als dem Führer ergebene Streiter. (Die wissenschaftlichen Berater hätten gut daran getan, Fachliteratur nachzulesen.)

Was die größte Bemühung der Rundfunkanstalten, dem 20. Juli gerecht zu werden, zugleich die mißratenste, so hatten die bescheideneren Unternehmungen, vor allem der erste Teil der Sequenz "Warum habt ihr Hitler widerstanden?" und – Höhepunkt der Woche – das Interview mit Axel von dem Bussche ("Er wollte Hitler töten") schon deshalb Gewicht, weil die gelassene, weit ausschwingende Zeugenaussage eben jene Atmosphäre verlebendigte, die der läppischen Holz- und Steinbeschwörung entging: Wie anders klingt Bussches berühmter Verweis auf den Notstandsparagraphen des Militärgesetzbuches ("Abwehr eines gegenwärtigen und rechtswidrigen Angriffs auf sich selbst oder andere"), wenn man ihn, in Peter Hoffmanns Buch "Widerstand, Staatsstreich, Attentat", liest – und wie anders, wenn man ihn hört: wenn ein Mann dahintersteht, der, ruhig, nachdenklich, seiner Sache gewiß, aber me überheblich, den Moralkodex des Potsdamer Infanterieregiments 9 zur Maxime eines Widerstandsrechts macht, das den Begriff Tyrannenmord durch die Vokabel Tötung im Akt der Notwehr ersetzt – Notwehr eines ganzen Volkes, die ein einzelner zu vollziehen hat. Und wie anders auch Axel von dem Bussches Beschreibung der Juden-Exekutionen (für ihn wie für die meisten Verschwörer Auslöseelement grundsätzlicher Wandlung) in plastischer Rede beschworen: "Ich hätte mich ausziehen und unter die Juden einreihen müssen. Das wäre ein Zeichen gewesen."