Der Iran ist für uns immer ein schwieriger Partner gewesen. Ob die Savak des Schahs folterte oder die Hinrichtungspelotons des Ayatollah am Werke waren – dem Umgang mit den Mächtigen in Teheran haftete stets etwas Anrüchiges, fast etwas Ruchloses an. Das war schon so, als Bundeskanzler Brandt vor zwölf Jahren nach Persien reiste; erst recht, als es darum ging, ob Bundespräsident Heinemann an der pompösen 2500-Jahr-Feier des Pahlevi-Kaisers in Persepolis teilnehmen sollte (er tat es nicht). Kein Wunder, daß auch der Teheran-Besuch von Hans-Dietrich Genscher hierzulande auf Kritik gestoßen ist.

Vielleicht hilft es, an die grundsätzliche Erklärung zu erinnern, mit der Willy Brandt im März 1972 seine Persien-Reise vor dem Auswärtigen Amt erläuterte. Er sagte damals: "Die politischen Verhältnisse in vielen Ländern entsprechen nicht unseren Vorstellungen von Demokratie. Doch sind wir nicht dazu ausersehen, uns zu deren Richter aufzuwerfen ... Bei uns kann jeder seine Meinung sagen, über welchen Teil der Welt auch immer. Aber unsere Außenpolitik und die Vertretung unserer außenwirtschaftlichen Interessen müssen freibleiben von ideologischen Vorurteilen."

So sehr sich manchem auch die Haare sträuben mögen, in der realen Welt bleibt es dabei: Wo Interessen auf dem Spiele stehen, sind die Macht der Moral und die Moral der Macht nicht immer auf einen Nenner zu bringen. Th. S.