Die "größte Dreckschleuder der Nation", das Kohlekraftwerk Buschhaus im Helmstedter Revier, soll nun doch ohne Entschwefelungs-Anlage den Betrieb aufnehmen. Zwar hatte der Bundestag fast einstimmig eben dies verworfen, aber Innenminister Zimmermann entdeckte – wieder einmal – einen Kompromiß: Buschhaus arbeitet, aber vorerst nicht mit der stark schwefelhaltigen Salzkohle, für die es konstruiert wurde, sondern mit weniger schwefeliger Braunkohle. Andere Kraftwerke des Reviers drosseln Leistung und damit Luftverschmutzung. Alles in allem: Insgesamt wird weniger Schwefeldioxid emittiert, und Arbeitsplätze im Kohlebau bleiben erhalten. Auch das hatte der Bundestag gefordert.

Umweltpolitik nach dem Motto "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß" ist nicht neu. Ökologisch vernünftig wäre nur der Beschluß gewesen, Buschhaus überhaupt nicht in Betrieb zu nehmen – gebraucht wird das Kraftwerk nicht – und den Abbau der Salzkohle zu stoppen. Doch in das Wehgeschrei der Ökonomen mischte sich Grummeln von Belegschaft und Gewerkschaft. "Verlust von Arbeitsplätzen" zieht als Argument noch allemal mehr als ökologische Bedenken, und die für später vorgesehene Entschwefelung von Buschhaus soll ohnehin der Steuerzahler finanzieren.

Friedrich Zimmermann ist nicht mehr zu tadeln als der Bundestag – allenfalls ist dem Minister vorzuhalten, daß er wieder taktiert hat, anstatt einmal durchzusetzen, was er gern behauptet: daß nach der Erhaltung des Friedens die Sicherung der Umwelt die wichtigste Aufgabe der Politik sei. (Siehe auch S. 15) H. B.