Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl hat gefordert, die überflüssige Kuponsteuer abzuschaffen. Beifall ist ihm von allen Seiten sicher, nur nicht von den Steuerexperten im Bundesfinanzministerium. Dabei ist der Zwangsabzug von 25 Prozent der Zinseinkünfte auf alle Inlandsanleihen für Devisenausländer 1965 nicht aus steuerpolitischen, sondern aus währungspolitischen Gründen eingeführt worden. Die Steuer sollte die Bundesrepublik vor einer Überschwemmung mit spekulativem Auslandsgeld schützen. Die Überschwemmungsgefahr war damals groß, weil die Mark unter starkem Aufwertungsverdacht stand.

Heute haben wir genau das entgegengesetzte Interesse. Wir müssen soviel Kapital wie möglich ins Land ziehen. In den USA locken hohe Zinsen und quellensteuerfreie Renditen. Aber wir schröpfen ohne Rücksicht auf die Lage die Ausländer, die ihr Geld in Mark anlegen.

Genug damit. Die Steuer brachte in neunzehn Jahren ohnehin nur 1,5 Milliarden Mark. Aber wenn es den Steuersystematikern gelungen ist, die Abgabe sogar über die Jahre hinweg zu retten, da die Bundesrepublik Leistungsbilanzdefizite hatte, sollte Pöhl jede Hoffnung fahren lassen. Experten lieben Quellensteuern, weil sie so schwer zu umgehen sind. Oder ist die politische Führung diesmal stärker als die Beamten? R. H.