Über die schwierige Arbeit von PRO FAMILIA

Von Margrit Gerste

Für PRO FAMILIA arbeiten vor allem Frauen. Zu PRO FAMILIA gehen fast nur junge Mädchen und Frauen. PRO FAMILIAS Dogma lautet seit ihrer Gründung im Jahre 1952 "Emanzipation" und "Selbstbestimmung".

Ist es da verwunderlich, daß PRO FAMILIA immer wieder aneckte, weil es gegen geltende Moral und Rollenklischees verstieß? Heiner Geißlers Zorn setzt eine lange Tradition fort, eine Tradition des Argwohns, der Beschimpfung, die bis zur Diffamierung geht. PRO FAMILIA sei contra familia, hieß es, und "kein Anwalt des Kindes". Auf einem der vielen Höhepunkte im rhetorischen Kampf um den Paragraphen 218 wurden in Beratungsstellen der PRO FAMILIA Brände gelegt und Mitarbeiterinnen mit Mord bedroht.

Heute aber kann der Familienminister Geißler wohl nicht mehr wie seine Vorgänger in der 50er bis weit in die 60er Jahre hinein eine moralisch entrüstete Nation hinter sich wähnen. Es sieht eher nach Polarisierung aus: Hier eine konservative Front zum Schutz des ungeborenen Lebens, da eine Generation von Frauen, besser als je zuvor ausgebildet, zu selbstverantwortlichem Leben erzogen, mit beruflichen Ambitionen, Mutter- und Männerrolle kritisch beäugend.

PRO FAMILIA und 218: Es geht vor allen um Frauen, solange Männer sich so gut wie nicht am Großziehen der Kinder beteiligen. Doch die Diskussion wird von Männern geführt, von Politikern, Kardinälen und Leitartiklern. Sie reden wenig von Frauen, um so mehr über den Schutz des ungeborenen Lebens mit manchmal absonderlichen Wendungen. So fragt Jürgen Busche von der FAZ: Ist Schwangerschaft eine Krankheit?

Auf eine solche Idee kommt keine Frau. Aber für noch jede Frau bedeutet ein Kind, was es für (fast) keinen Mann bedeutet: Ihr Leben verändert sich total – zurück zu Küche, Kinderzimmer, Spielplatz oder Hetzen zwischen Beruf und Kind im ständigen Kampf eine gute Mutter und eine gute – sagen wir – Journalistin zu sein.