Die ersten Falkland/Malvinas-Gespräche zwischen London und Buenos Aires seit dem Krieg vom Frühjahr 1982 brachen in Bern zusammen. Beide Seiten haben allen Grund, das zu bedauern. So wie es ist im Südatlantik, kann es nicht weitergehen.

Seit die Argentinier wieder Demokraten sind, laufen geheime Sondierungen. Weit ist man noch nicht gekommen. Die Wunden sind noch zu frisch, der Krieg noch nicht lange genug vorbei. Auf wirtschaftlichem Sektor sind Argentinier und Briten schon weiter. Margaret Thatcher drückt alle Augen zu, was den Handel mit dem "Gegner" angeht. Aber diplomatische Beziehungen bestehen immer noch nicht. Britische Truppen und falkländische Schafzüchter werden über eine Luftbrücke beliefert, gegen deren Kosten und Hindernisse die Versorgung der zwei Millionen Westberliner seinerzeit ein Kinderspiel war. Ein oder zwei weitere Jahre dieser Art, und die Falkland-Folgen würden dazu führen, daß der britsche Finanzminister mit dem Hut in der Hand beim Steuerzahler betteln gehen müßte.

Argentinien darf nicht sicher sein, daß der Zwang zum weiten Weg England zu Konzessionen veranlaßt. Chile, kein lieber lateinamerikanischer Nachbar, hat begonnen, das eine oder andere Geschäft mit der Inselgruppe zu führen. Das entlastet die Briten, wenn auch vorerst nur geringfügig. Dafür hat die Regierung Alfonsin, die ja etwas gegen den Malvinas-Komplex ihrer Landsleute tun muß, die Nachrichten über neue Fernlenkraketen, die bis Port Stanley fliegen können, absichtlich undementiert gelassen.

Buenos Aires und London stehen aber auch unter dem Druck anderer Nationen. Die Schweizer Regierung, britische Interessen in Argentinien vertretend, ist nicht endlos bereit, ohne Verhandlungswilligkeit des Thatcher-Kabinetts den Helfer zu spielen. Und Ronald Reagan möchte Versöhnlichkeit in Südamerika.

Die Gespräche in Bern scheiterten erst einmal an der Frage der Souveränität, genauer gesagt an einer einzigen Vokabel. Fürs Kommuniqué von Bern war vereinbart worden, daß die britische Seite sagen werde, sie sei noch nicht bereit, darüber zu verhandeln ("rot ready"). Das, so behaupten die Argentinier, sei dann geändert worden in: nicht willens ("not piepared"). Aus "no estamos en condiciones de discutir" sei somit "no estamos dispuestos a discutir" geworden.

Londons Außenminister Howe zeigte sich frustriert, als die Argentinier daraufhin die Gespräche abbrachen. Aber er kann kein Spanisch während sein Gegenüber, Senor Dante Caputo (wie schon der Name nahelegt) Feinheiten in beiden Sprachen abzuwägen versteht. Da bleibt noch viel zu lernen.

Karl-Heinz Wocker