Nur diese Woche noch mit der Parlamentsdebatte über den Einbruch in der Ostpolitik – nur diese Woche noch und dann, so seufzen die Deutschlandexperten im Regierungsapparat hoffnungsvoll, "die Sache endlich runterholen". Nichts wünschen sie sich sehnlicher als wieder Ruhe in ihrem empfindlichen Geschäft. In der Tat, schon bald wird sich zeigen, ob die Turbulenzen um Erich Honeckers Besuch auch auf den deutsch-deutschen Alltag durchschlagen. Bereits an diesem Donnerstag gibt es eine neue Runde bei den Verhandlungen über ein Kulturabkommen mit der DDR; die praktische Einbeziehung West-Berlins ist nach wie vor knifflig. Und bei der Entsalzung von Werra und Weser ist die Kostenverteilung zwischen beiden Seiten noch nicht unter Dach und Fach.

Das Bemühen, zum Alltag zurückzukehren und die Voraussetzungen für ein hinreichend normales Verhältnis zu bewahren, ist groß. In der nächsten Woche kommt Hermann Axen, Mitglied des SED-Politbüros, mit einer Delegation nach Bonn, um die mit den Sozialdemokraten begonnenen Gespräche über chemiewaffenfreie Zonen in Europa fortzuführen. Anderes Beispiel: Zum Jahresende wird der großzügige Ausbau des Grenzübergangs Wartha/Herleshausen samt einer neuen Werrabrücke fertig sein.

Indes, was Reise- und Besuchsmöglichkeiten im allgemeinen betrifft, so wird es weitere Erleichterungen wohl auf absehbare Zeit nicht geben. Und was wird, wenn DDR-Bürger, in Furcht vor einer neuen Eiszeit, sich wieder über Bonner Vertretungen im Ostblock die Ausreise erzwingen wollen?

Die Experten sehnen sich ebenso nach Ruhe, wie sie gespannt sind.

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Waldemar Schreckenberger, der Chef des Kanzleramtes, wird fortan regelmäßiger als bisher an Gesprächen des Regierungschefs mit Kabinettsmitgliedern und an der Koalitionsrunde teilnehmen. Gegenseitige Information soll mehr Priorität erhalten. Auch die beiden Kanzleramtsminister Philipp Jenninger und Friedrich Vogel, der Parlamentarische Staatssekretär Peter Lorenz und Schreckenberger wollen sich fortan einmal in der Woche zusammensetzen. Der Pannensommer hat tatsächlich Konsequenzen. Freilich, wenn so Selbstverständliches erst jetzt selbstverständlich werden soll, wann wird es wirklich selbstverständlich sein? Die Bonner hören die Botschaft wohl, allein, es fehlt da noch der Glaube.

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