DIE ZEIT

Sprengsätze

Es hat einmal mit einem Kaufhausbrand in Frankfurt begonnen – am Ende stand der Terror der RAF. Deren Entwicklung bewies: Aus der Gewalt gegen Sachen wird leicht Gewalt gegen Menschen, aus symbolischen Akten ebenso leicht blutiger Ernst.

Bloßgestellt

Die Gefangene war renitent. Petra Holling – 28 Jahre alt, als Teilnehmerin bei den Krefelder Krawallen von 1982 zu zwei Jahren Haft verurteilt – wehrte sich mit Händen und Füßen dagegen, aus ihrer Essener Zelle nach Bielefeld verlegt zu werden.

Im Regen

Wenn es regnet, muß Walter Mondale in der Nähe sein. Noch ist dies kein geflügeltes Wort in der amerikanischen Politik. Doch es könnte bald eines werden, sollte der demokratische Spitzenbewerber weiter so unter Pech und Pannen, unter Regengüssen und tauben Mikrophonen bei seinen Wahlkampfauftritten leiden müssen wie bisher.

Kein Frieden in den Sternen

Dies ist der Hintergrund: Im März 1983 formulierte Ronald Reagan seine "Krieg der Sterne"-Vision zum ersten Mal: Er befahl ein umfangreiches Forschungs- und Entwicklungsprogramm, im so "das Endziel zu erreichen – die Bedrohung durch strategische Atomraketen zu beseitigen".

Zeitspiegel

Von Staats wegen gilt der "Fall Andreotti" nach den Klarstellungen Und Korrekturen, die der Urheber dieses Falls an seinen Äußerungen vorgenommen hat, als abgeschlossen.

Worte der Woche

"Wir alle sind damit einverstanden, daß es zwischen den beiden Deutschlands gute Beziehungen geben muß. Aber man muß nicht übertreiben in dieser Richtung.

Polen zwischen politischer Resignation und langsamer wirtschaftlicher Besserung – zusammengehalten durch den Wünsch aller Gruppen, den Bogen nicht zu überspannen. Wie sehen die Polen ihre Zukunft vier Jahre nach Anerkennung der "Solidarität", knapp drei Jahre nach der Verhängung des Kriegsrechts?: Ein Land, das irgendwie überlebt

Immer wieder habe ich allen Gesprächspartnern in Polen die Frage gestellt, ob die Lage heute besser sei als "vor der Solidarität – mit Diese ren Worten, ob doch einiges von dem großen, hoffnungsvollen Aufschwung geblieben ist.

Dünne Decke

Der Wunsch nach Gemeinsamkeit ist ein sehr deutscher Impuls. Er hat jenen politischen Führern der Bundesrepublik, die dieses Ziel anstrebten, um die nationalen Interessen erfolgreicher vertreten zu können, stets eine vorteilhafte öffentliche Resonanz gesichert.

Humus über dem Urgestein

Fürs erste kann sich die Union damit behelfen, daß vor allem Moskau die Hand im Spiele hatte, als Erich Honecker seinen Besuch in Bonn absagte.

Israel: weder Söldner noch Spion Amerikas

Kaum gewählt, legte die "Regierung der Nationalen Einheit" im Eiltempo los. "Schlimm, viel schlimmer, als ich mir das vorgestellt hatte", stehe es um die Ökonomie, fand Finanzminister Modai heraus.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Eine Uranladung nahm der japanische Container-Frachter "Kamakura-Maru" in Le Havre an Bord. Das angereicherte Uran aus der Wiederaufbereitungsanlage in La Hague soll für japanische Kernkraftwerke bestimmt sein.

Wissen schaffen

Was schreit denn da so laut?" "Das? Das ist die Zeit. Sie schreit nach Satire." Bei der Lektüre der Untersuchung des Instituts für Demoskopie Allensbach über "Extremistische Einstellungspotentiale junger Menschen" fühlt man sich unwillkürlich an dieses Wort Kurt Tucholskys erinnert.

Heiße Luft

Der Berg kreißte und gebar ein Mäuschen. In einem vierstündigen Gespräch verständigte sich die Bonner Koalition am Dienstag auf einen Stufenplan zur Einführung des abgasarmen Autos – unter der Voraussetzung, daß die Bundesländer sich noch einigen, daß die EG mitspielt und daß Innenminister und Finanzminister zueinanderfinden.

Tschad: Bruderkampf nach Truppenabzug?

Die libyschen Truppen kehren nach Libyen und die französischen Truppen nach Frankreich zurück." Mit diesen Worten erläuterte Frankreichs Verteidigungsminister Charles Hernú dem verdutzten tschadischen Staatschef Hissene Habré die jüngste Wende im seit zwei Jahrzehnten währenden Bürgerkrieg.

Indien: Rückkehr eines Idols

Im südindischen Bundesstaat Andhia Pradesh kehrte der vor einem Monat abgesetzte Chefminister Rama Rao auf seinen Posten zurück.

BONNER BÜHNE: Skurrile Zeiten

In der Hauptstadt Pangermaniens geht es immer skurriler zu. Seltsame Affären, chaotische Verfahren, vorgestrige Themen in vorgestriger Sprache, künstliche Aufregungen – es wäre ungerecht den fünfziger Jahren gegenüber, sie als Parallele heranzuziehen.

Ausländerpolitik: Können Türken Deutsche Werden?

Immer, wenn die Ausländerpolitik der Bundesregierung debattiert wird, taucht auch die Einbürgerungsfrage wieder auf. Die ausschließlich so heißt es – gemeint sind aber fast ausschließlich die Türken –, sollten sich entscheiden.

Ben Witter: Angetippt

Alexander S. hatte endlich sein Diplom und suchte eine Anstellung als Architekt. Nach vier Monaten fand er dann eine. Zwei Kollegen, die nur ein paar Semester älter waren, wollte; er gleich duzen.

Ein Vater namens Papst

Wer wie der Papst Sicherheit verkündet, die den Glauben an eine andere Welt voraussetzt, bewegt sich auf dieser so verunsicherten Erde stets auf vermintem Gelände.

Spanien: Mühe mit der Nato

Felipe González sprach am Wochenende ein Machtwort: Die spanische Regierung, so erklärte er in einer Pressekonferenz, trage eine nationale Verantwortung, die über die Grenzen der Sozialistischen Partei hinausreiche.

Wolfgang Ebert: Der Brief

Kohl: Ich möchte den Graben zwischen unseren Völkern nicht vertiefen – aber wenn sich die gekränkten Menschen in diesem unserem Land beim Verzehr von italienischen Nudelprodukten vorerst etwas zurückhalten, sollten das Ihre Landsleute nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Eine unheimliche Landung

An diesem Freitag ist Springflut. Bis dahin müssen die Taucher die letzten Uran Fässer aus dem Wrack des französischen Frachters "Mont Louis" vor der belgischen Küste geborgen haben.

Angewiesen auf Uran

Bevor Otto Hahn und Fritz Strassmann im Jahr 1938 die Kernspaltung entdeckten, interessierte sich allenfalls die Porzellan- und die Glasindustrie für mineralische Uranverbindungen.

Kandidaten-Kür: Neuer Mann am Main

Auf Anhieb gelang jetzt Volker Hauff, was sozialdemokratischen Oberbürgermeister-Kandidaten in Frankfurt in den letzten Jahren versagt blieb: das Interesse der Medien und damit auch der Öffentlichkeit zu gewinnen.

Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen: Wo noch Spielraum bleibt

Krefeld ist das Tor zum linken Niederrhein, "wer uns zum Ruhrgebiet zählt, beleidigt uns schwer", sagt Oberbürgermeister Dieter Pützhofen, Jahrgang 42, auf einen ersten Blick dem gepflegten Ruf seiner Stadt als Modemetropole alle Ehre machend.

Steueroase Rheinland-Pfalz: Sie haben gewußt

Das ZEIT- Dossier "Steueroase Rheinland-Pfalz" (Nr. 37 vom 7. September 1984) hat Folgen gezeigt: Der rheinland-pfälzische Landtag in Mainz hat, auf Antrag der SPD und mit den Stimmen auch der CDU, einen Untersuchungsausschuß eingesetzt.

Plausch beim Präsidenten

An jedem ersten Mittwoch im Monat bereitet Berlins Polizeipräsident Klaus Hübner seit Jahren schon einer Runde handverlesener Journalisten ein gemütliches Stündchen.

Justizskandal?: Sie waren auf und davon

Justizskandal in Hamburg" lauten wieder einmal die Schlagzeilen in der örtlichen Presse. Alljährlich, mit schöner Regelmäßigkeit, findet der als liberal bekannte Hamburger Strafvollzug das Interesse der Öffentlichkeit: wenn es Pannen gibt.

Airbus schlägt Boeing

Seit heute nachmittag 17 Uhr wird gespritzt", sagte ein Airbus-Manager am letzten Donnerstagabend in Abwandlung eines historischen Satzes halb scherzend, halb triumphierend.

Argentinien: Zangengeburt

Im Herbst war es Mexiko, ein Jahr später Brasilien, und in diesem Jahr ist es Argentinien. Schon die Erwähnung des Landes beschleunigt heute den Puls westlicher Bankiers.

Lufthansa: Eigentor

Noch ist die Sache nicht ausgestanden. Zwar haben sich die Lufthansa und die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) in einem Spitzengespräch über die Beilegung des Tarifkonflikts ( ZEIT Nr.

Dollar: Freiheit

Das Schatzamt in den USA läßt keine Möglichkeit aus, im Ausland neues Kapital zur Finanzierung des Rekorddefizits im Staatshaushalt zu mobilisieren.

Bonner Kulisse

Seit einer Woche ist die eigentümliche Rechtsprechung zu Fragen des Arbeitsrechts in der Bundesrepublik um eine Groteske reicher, die, könnte man glauben, Bundesregierung und Bundestag alarmieren und zu raschem Handeln bewegen müßte.

Die Grenzen sind verwischt

Rund zwölftausend Delegierte, Beobachter, offizielle Gäste und Journalisten werden sich in der letzten Septemberwoche in Washington einfinden.

Umweltschutz: Schnellstart mit Hindernissen

Was haben die San-José-Schildlaus und das abgasarme Auto gemeinsam? Nur die Experten vom Juristischen Dienst bei der Brüsseler Kommission der Europäischen Gemeinschaft (EG) kennen die Antwort auf Anhieb.

Ärzte: Keim der Konkurrenz

Die Ärzte entdecken den Wettbewerb, doch sie tun sich schwer damit. Anders ist kaum zu erklären, was sich derzeit unter den Medizinern der Bundeshauptstadt zuträgt.

Italien: Aufschwung auf Pump

Kaum hat die italienische Konjunktur nach dreijähriger Krise zu einer Erholung angesetzt, da muß die Notenbank schon wieder brensen: Der Diskontsatz wurde im September die einen Punkt auf 16,5 Prozent erhöht.

Frankreich: Geschenke, die keine sind

Eigentlich haben die Franzosen allen Grund zur Freude. Denn ihr jovialer Finanzminister Pierre Bérégovoy hat ihnen ein großzügiges Geschenk gemacht.

Börsen-Report: Dollarsegen

Die Börsianer sind fest entschlossen, den hohen Dollar-Kurs als etwas Positives zu empfinden. Er erleichtert den Dollar-Ausländern den Erwerb deutscher Wertpapiere, die sie – wie es salopp heißt – mit ihrem teuren Dollar für ein "Ei und Butterbrot" bekommen.

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