Vor Noahs Arche, die bei Achternbusch ein Segelboot ist, versammeln sich die Paare. Denn: "Nur Paare sollen gerettet sein". Lauter Mißverständnisse, Mesalliancen: der Autor kommt mit dem Auto, die Halbe mit der Schwalbe, das Wasserhuhn mit einem (trostlos tropfenden) Wasserhahn. Das Weißbier (ein Bier kommt selten allein) erscheint mit der Weißen Taube.

Was sich reimt, ist ein Paar; was ein Paar ist, darf in die Arche. Jede Realität ist, schon vor der Sintflut, vernichtet – nur die Wörter haben überlebt und treiben nun miteinander ihre albernen, frivolen Spiele. Alle diese letzten Lebewesen auf Achternbuschs Arche sind in den Wörtern, den Reimen gefangen; einen Ausweg in den "Sinn" gibt es nicht. "Der Verstand ist ein Loch."

Achternbusch gelingen (oder passieren) einige wunderbare Verse, Wort-Witze. Nie weiß der Zuschauer/Zuhörer genau, wo er sich gerade befindet – hoch droben im Pathos oder tief drunten im Schwachsinn. Denkt der Dichter, oder lallt er bloß? Ist "Sintflut" ein Drama von den letzten Dingen, oder doch bloß ein Biertisch-Produkt? Ist Herbert Achternbusch "Philosof oder Vielosauf oder beide im Verein"?

Wie jeder Text von Achternbusch, so feiert und verhöhnt auch dieser ständig sich selber. Für die Welt gibt es keine Erlösung, das ist klar, für die Wörter aber schon: im Paradies des Un-Sinns, der schwerelosen Spiele.

Man schaut und hört Achtembuschs Mysterientheater, diesem wunderlichem Bastard aus Oberammergau und Dada, eine Weile recht gerne zu. Manthey und die trefflichen Schauspieler führen ein höheres, hintersinniges Kindertheater vor, Szenen, die in aller Ärmlichkeit poetisch, in aller Albernheit rührend sind. Bis Circe kommt – und uns nicht in Schweine, sondern in Schläfer verwandelt.

Circe ist nämlich ein Künstlername – für jenen ehemaligen Bremer Opernstatisten, der vor einigen Jahren fürs Sprechtheater entdeckt wurde und mittlerweile (vor allem durch die Inszenierungen von Jürgen Gosch) ein Idol, ein beliebter Anti-Star geworden ist.

Ein großer, dicklicher Mann mit langen, fettigen Haaren, dessen mitreißende Lethargie, unwiderstehliche Traurigkeit, fesselnde Ausdruckslosigkeit schon manches Stadt-Theater durcheinandergebracht haben. Circe also spricht und spielt in der "Sintflut" einen apokalyptischen Endlos-Monolog, den Achternbusch ohne ersichtlichen Grund in die Mitte seines Bilderbogens hineingezwängt hat. Finfzehn Seiten, dreißig Minuten. Ein trotz einigen poetischen Kühnheiten und manch hübschem Nonsens nur schwer erträglicher Text: ein moralisierendes Gslabere über Krieg, Atomtod, Terrorismus. Der bayerische Dichter besteigt die Kanzel, das absonderliche Krippenspiel bläht sich auf zum Welttheater, Weltgericht