DIE ZEIT

Anlaß zu Hoffnung

Erst jetzt begegnet Präsident Ronald Reagan in seiner bald vierjährigen Amtszeit zum ersten Male – am Freitag dieser Woche im Weißen Haus – einem Hierarchen der sowjetischen Führung in einem vertraulichen Gespräch: Außenminister Andrej Gromyko, dem einflußreichsten und erfahrensten Mitglied des Politbüros auf dem Felde der russischen Diplomatie.

Dollarsprünge

Die Bocksprünge, die der Dollar derzeit an den Devisenbörsen macht, rufen Erinnerungen an die Währungskrisen der sechziger siebziger Jahre wach.

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Das muß eine putzige Versammlung gewesen sein, zu der SED-Chef Honecker am 20. September im Haus des ZK einlud. Gebeten waren „Repräsentanten der Kunst- und Kulturschaffenden was in der DDR immer heißt: die Präsidenten der diversen Verbände.

Rollentausch

In der Deutschlandpolitik zeigt die Bonner Bühne rasch wechselnde Szenen, zuletzt sogar einen Rollentausch. Während der innerdeutsche Minister Windelen, eher ein Verfechter der herkömmlichen Rechtsstandpunkte, laut über die förmliche Respektierung einer eigenen DDR-Staatsbürgerschaft nachdenkt, wendet sich der gelegentlich als zu pragmatisch gescholtene Kanzleramtsminister Jenninger, vom Regierungschef ausdrücklich unterstützt, strikt dagegen.

Zeitspiegel

Das Schneckentempo der Verhandlungen zwischen der EG und den Beitrittskandidaten Spanien und Portugal verärgert nun auch die langmütigen Portugiesen.

Worte der Woche

„Wir wollen einen Frieden, der unsere Würde garantiert und das Recht der Palästinenser, ein Heimatland zu errichten, sogar wenn es ein Land mit geringer Fläche wäre, aber doch in ihrer Heimat.

Freundschaft über Gräbern

Mitterrand in sich gekehrt, Kohl in sich ruhend: Der Franzose bleibt wie immer unbeweglich, der Deutsche unterdrückt seine übliche Gestik.

Mittelamerika: Hat der Frieden noch eine Chance?

Sechs Wochen vor den Wahlen in Nicaragua und in den Vereinigten Staaten hat ein diplomatisches Tauziehen zwischen den ungleichen Ländern begonnen, bei dem die Sandinisten durch Überrumpelung erst einmal Boden gewonnen haben.

Beirut wieder im Brennpunkt

Zum dritten Mal innerhalb von 17 Monaten hatten selbstmörderische Fanatiker der islamischen Terroristengruppe „Heiliger Krieg“ Erfolg mit der gleichen Methode: Ein sprengstoffbeladenes Auto machten sie zur Bombe gegen das repräsentativste Gebäude amerikanischer Präsenz in Beirut.

Golfkrieg: Patt nach vier Jahren

Mit Militärparaden und Manövern beging die iranische Staatsführung den vierten Jahrestag des Kriegsausbruchs. Staatspräsident Chamenei wiederholte das offizielle Kriegsziel der Teheraner Mullahs: Die Truppen der Islamischen Republik würden kämpfen, bis der „Verräter Saddam“ gestürzt sei.

Der Spion

Wie groß mag der Schaden sein, den Manfred Rotsch, Abteilungsleiter beim Münchener Luft- und Raumfahrtkonzern Messerschmidt-Bölkow-Blohm (MBB), der Bundesrepublik zugefügt hat? Siebzehn Jahre lang, so hat das Bundesamt für Verfassungsschutz ermittelt, soll der heute 60jährige Diplomingenieur den sowjetischen KGB mit Unterlagen und Erkenntnissen aus der Rüstungsschmiede versorgt haben.

NAMEN UND NACHRICHTEN

Drei baskische Untergrundführer werden von der französischen Regierung an Spanien ausgeliefert, wo sie als Terroristen vor Gericht kommen sollen.

Abschied vom Empire

London wird 1997 alle Regierungs- und Verwaltungsrechte über seine Kronkolonie an Peking abtreten. Einem entsprechenden Vertragsentwurf stimmten die beiden Regierungen in der vergangenen Woche zu.

Gegendarstellung

In der Ausgabe der Zeit vom 10. 8. 1984 wird behauptet, ich hätte allen Ernstes vorgeschlagen, Ausländer, die in der Bundesrepublik gegen das Gesetz verstoßen, härter zu bestrafen als Deutsche für die gleiche Tat.

Seit fünf Wochen stehen der Schriftenfälscher Konrad Kujau und der ehemalige „stern“-Reporter Gerd Heidemann wegen der Affäre um die Hitler-Tagebücher in Hamburg vor Gericht. Jeder will vom anderen betrogen worden sein.: Und die Balken biegen sich

Wie Lebensläufe sich verschlingen und verschränken können. Vor dreieinhalb Jahren erst lernten sie sich kennen, der Militaria-Sammler, Bild- und Schriftenfalscher Konrad Kujau aus Stuttgart und sein millionenschwerer Kunde, der stern-Reporter, Militaria- und Aktensammler Gerd Heidemann aus Hamburg.

Unruhen in Südafrika: Bothas Dilemma

Südafrikas neue Verfassung, so hatte das weiße Apartheid-Regime voller Stolz verkündet, sollte das Anfangssignal für einen großen Reformprozeß setzen.

Gerd Bucerius zu Fragen der Zeit: Genug zerstört

Der Fall Andreotti war gerade vom Tisch, da saß ich mit Italienern in Ischia beim Wein. Die Italiener waren ärgerlich, wütend über Andreotti, so heftig, daß ich fragte: „Welches Interesse haben Sie denn an! der Wiedervereinigung?“ Antwort: „Keines.

Mordprozeß: Sie wollte nur Ruhe

Eiseskälte" bescheinigt ihr der Staatsanwalt, "Heimtücke und Habgier, eine für mich nicht mehr nachvollziehbare Unmenschlichkeit.

Klassenkampf besonderer Art: Die Forderungen der ÖTV und DAG lichten sich nicht gegen „böse Kapitalisten“: Arbeitgeber sind wir alle

Noch ehe in dieser Woche die Verhandlungen über die Einkommensverbesserungen und zusätzliche Arbeitszeitverkürzungen begonnen hatten, die von der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG) und der Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) gefordert werden, begann schon die Widerstandslinie der Arbeitgeber zu bröckeln.

Ex-Minister: Abwärts

Der Titel einer neuen Serie im bekannten deutschen Boulevardblatt heißt zwar „So geht’s weiter aufwärts“, beim Autor der Serie scheint es dafür eher abwärts zu gehen.

Baurecht: Vorsicht

Wer im Bauordnungsamt einer Kommune, im Baureferat eines Landes oder des Bundes, der Bahn oder der Post arbeitet, der mag sich gelegentlich in die sechziger oder in die fünfziger Jahre zurücksehnen, als er oder seine Amtsvorgänger ganz einfach bauen durften – unberührt vom meist erfolglosen Gezeter einzelner Bürger und unbehelligt oft sogar von parlamentarischen Kontrolleuren, deren Kontrollrechte mitunter dürftig waren.

Arbeitsämter: Mehr Druck

Der Job ist nicht leicht, doch der Mann wird es wohl schaffen. Noch immer gilt die Bundesanstalt für Arbeit im öffentlichen Bewußtsein als Fa.

Keine Zeit zum Feiern

Zum Feiern fehlen Zeit und Anlaß. Die bevorstehenden Oktober-Tage, in denen sich der Machtwechsel zugunsten der konservativ-liberalen Koalition zum zweitenmal jährt, werden für einen ihrer wichtigsten Akteure so prallvoll sein mit Arbeit und Ärger, mit alten Problemen und der Suche nach keineswegs immer ganz neuen Wegen zu ihrer Lösung, daß der Sekt derweil warm und schal werden dürfte – für Bundesarbeitsminister Norbert Blüm wird dieser Oktober weniger golden als grau.

Bonner Kulisse

Soweit es an Postminister Christian Schwarz-Schilling liegt, soll es sich auch künftig nicht ändern, daß die „gelbe“ Post mit dem Fernmeldewesen unter einem Dach vereint bleibt.

Kabinettsbeschluß

Die Bundesregierung hat beschlossen: Der Bundesminister der Finanzen wird beauftragt, einen Gesetzentwurf auf der Grundlage des verbesserten Kraftfahrzeugsteuermodells (siehe Tabelle) auszuarbeiten.

Umweltschutz: Still freut sich der weiße Riese

Lügen haben kurze Beine“, schäumte Mitte letzter Woche Berlins Umweltschutzsenator Horst Vetter in Tokio und schwor: „Ich lasse mich durch die Kostenschätzungen unserer Autoindustrie für den Katalysator nicht mehr beirren.

Katalysator

Die Reinigung von Autoabgasen mit Hilfe eines Katalysators ist eine vergleichsweise alte Technik: Seit mehr als zwanzig Jahren ist das Verfahren bekannt, es geht auf eine deutsche Erfindung zurück.

Metallindustrie: Der Kampf geht weiter

Die Atempause war nur kurz. Der Streit um die Arbeitszeit in der Metallindustrie, der nach sieben Wochen Arbeitskampf Ende Juni endlich beigelegt schien, geht nun in die zweite Runde.

Das große Schweigen

Die Bundesregierung kann ihre Nato-Verpflichtungen in den kommenden Jahren aus finanziellen und personellen Gründen kaum erfüllen

MANAGER UND MÄRKTE

Schneller als erwartet wird Horst Wiethüchter, Chef des Hamburger Zigarettenkonzerns Reemtsma, seinen Stuhl für seinen Nachfolger freimachen: Schon vom 1.

Lebhafte Nachfrage

ZEIT: Manfred Rommel hat die Bezieher von Fernwärme und solche, die es werden wollen, geschockt. Fernwärme werde, sagt er, wegen der Kosten für die Entschwefelung der Kohlekraftwerke um bis zu 25 Prozent teurer.

Die Bürger baden es aus

Es klang nach einer mittleren Katastrophe, was da in vielen Blättern zu lesen war: Die nordrhein-westfälischen Städte seien gezwungen, Grundstücke, Wälder und andere Vermögenswerte zu versilbern – aus finanzieller Not.

US-Gewerkschaften: Abschied von der Ideologie

Zeitweise ging sogar das Gerücht um, Owen Bieber stünde vor seiner Entmachtung. Im Vergleich zu seinen Vorgängern, dem drahtigen Douglas Fraser und dem intellektuellen Leonard Woodcock, gilt der derzeitige Boß der amerikanischen Autogewerkschaft UAW als saft- und kraftlose Figur.

Management: Der Pelikan zeigt die Krallen

Am Pförtnerhaus der Pelikan AG, Podbielskistraße in Hannover, verlangte Anfang Juni ein unbekannter Besucher, zur Vorstandsetage vorgelassen zu werden.

Börsen-Report: Dünne Luft

Nach dem Commerzbank-Index sind die deutschen Aktienkurse nur noch rund vier Prozent von ihrem bisherigen Jahreshöchststand entfernt.

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