Schneller als erwartet wird Horst Wiethüchter, Chef des Hamburger Zigarettenkonzerns Reemtsma, seinen Stuhl für seinen Nachfolger freimachen: Schon vom 1. Januar 1985 an wird Jürgen Peddinghaus, bisher Vorstandsmitglied der Beiersdorf AG, die Geschicke des Zigarettenunternehmens in die Hand nehmen. Der Grund für den schnellen Wechsel, der zunächst für den Herbst 1985 geplant war, liegt in der problemlosen Nachfolgeregelung bei Beiersdorf: Ein Prokurist aus dem Hause wird künftig den Tesabereich übernehmen.

Noch vor dem Wechsel an der Spitze möchte man anscheinend bei Reemtsma schon einige Weichen neu stellen – vor allem bei der Tochtergesellschaft Badische Tabakmanufaktur Rothhändle in Lahr, wie deren Betriebsratsvorsitzender Karl Binz befürchtet.

Die Mitarbeiter wie die Kommunalpolitiker des Schwarzwaldstädtchens fürchten, daß unter dem von Reemtsma geplanten Konzept der „Bündelung der Ressourcen“ die Eigenständigkeit verlorengeht und damit schließlich auch die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens.

Zunächst soll der Außendienst beider Unternehmen gestrafft werden. Von 180 Mann sollen nur 96 bleiben, allerdings will Reemtsma 30 übernehmen. „Doch davon“, so fürchtet Betriebsrat Binz, „ist auch der Innendienst betroffen – an die zwölf bis fünfzehn Mitarbeiter im Vertrieb.“

Kernstück der „Ressourcenbündelung“ soll allerdings die Konzentration der Verwaltung in Hamburg werden – was in Lahr der Arbeitsplatzverlust für vierzig Mitarbeiter bedeuten könnte. Bislang ist immerhin von einer Produktionsverlagerung weg von Lahr noch nicht die Rede. Das könnte sich schnell ändern, wenn es den Hamburgern nicht gelingt, einen Vertrag mit dem Iran zu erneuern, der dem Reemtsma-Werk in Hannover-Langenhagen eine Jahresproduktion von rund acht Milliarden Zigaretten sichert. Gelingt die Vertragsverlängerung nicht, dann befürchtet man in Lahr das Aus – dort werden neun Millionen Stück pro Jahr produziert.

Bei Flick hat man es sich anders überlegt – die Tochtergesellschaft Edelstahlwerke Buderus AG in Wetzlar soll nun doch nicht an die BHF-Bank verkauft werden. Wer da kalte Füße bekommen hat – Flick oder die Bank geht aus einer gemeinsamen Presseerklärung nicht hervor. Offenbar ist jedoch Flick von dem geplanten Geschäft zurückgetreten – wie sonst hätte man „der BHF-Bank in diesem Zusammenhang ein mehrjähriges Beratungsmandat erteilt“?

Ob man bei Flick noch einmal gerechnet hat – der Verkaufspreis der Aktien wäre niedriger gewesen als der Einstandspreis – oder ob Konzernchef Friedrich-Karl Flick wieder einmal eine einsame Entscheidung getroffen hat, ist bei der sprichwörtlichen Geheimniskrämerei des Hauses Flick nicht zu erfahren. Wenigstens in dieser Frage, kann man sich auf Kontinuität verlassen.

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Nach dem Konkurs der Münchner Zündapp-Werke und nachdem schon Anfang 1982 Kreidler aus dem Rennen ausgeschieden war, produziert nur noch ein deutsches Unternehmen motorisierte Zweiräder der unteren Klasse: die Hercules-Werke in Nürnberg. Bei Zündapp hat die Eigentümerfamilie Neumeyer kein Geld mehr in das riskante Geschäft mit Mofas, Mopeds, Mokicks und Leichtkrafträdern stecken wollen. Dagegen ist Hercules als Tochter der finanzkräftigen Fichtel & Sachs AG in Schweinfurt in einer weit besseren Situation. „Wir werden durchhalten“, versichert Fichtel & Sachs-Vorstand Erich Kronauer. Er kann sogar erleichtert sein über den Abschied von Zündapp, denn „für zwei deutsche Unternehmen“, so Kionauer, „ist kein Platz mehr.“ Der Markt für Leichtkrafträder mit 80-Kubikzentimeter-Motoren wird fast ganz von den Japanern beherrscht.

Hercules produzierte letztes Jahr noch 60 000 motorisierte Zweiräder, davon allein 40 000 Mofas und nur noch gerade 5000 Leichtkrafträder. Freilich, rote Zahlen schreibt auch Hercules. 1981 betrug der Verlust noch siebzehn Millionen Mark, ist aber nach Angaben von Kronauer in den beiden vergangenen Jahren um mehr als die Hälfte abgebaut worden. Bei Zündapp addierte sich der Verlust seit 1982 auf über dreißig Millionen.

Lügen haben kurze Beine – auch wenn sie eher harmlos sind und nicht mehr bezwecken, als den Schwindler in gutem Licht erscheinen zu lassen. Die herbe Lektion muß jetzt das Management der Münchner Siemens AG lernen. Auf der Hannover-Messe im April hatte das Unternehmen damit geprotzt, einen Superauftrag von der Nürnberger Bundesanstalt für Arbeit in den Büchern, zu haben. Für 150 Millionen Mark wollte der Elektrokonzern den Arbeitsämtern Computer liefern, mit denen die Effizienz der Behörden gesteigert werden sollte.

Jetzt ließ die Bundesanstalt die Wahrheit heraus: Heinrich Frankes Ämter kaufen die Computer gar nicht, sie leasen sie nur. Zur Zeit beträgt die monatliche Computer-Miete der Bundesanstalt gut drei Millionen Mark. Wenn ihr EDV-System in einigen Jahren vollends ausgebaut ist, soll die Rate auf gut zehn Millionen Mark kommen. Einen erklecklichen Teil davon kassiert indes nicht Siemens, sondern der Paderborner Konkurrent Nixdorf, der ebenfalls mit der Bundesanstalt im Geschäft ist.

Die überdurchschnittlich hohe Ausbildungsquote der gewerkschaftseigenen Bank für Gemeinwirtschaft (BFG) – siehe ZEIT vom 7. 9. 1984 -, ist nach Ansicht des Arbeiteeberverbandes des Privaten Bankgewerbes nur durch einen „Rechentrick“ zustandegekommen. „Bei der Bezugszahl dieser Quote, den Gesamtbeschäftigten“, so moniert der Verband, „sind kurzerhand die rund 1200 Arbeitnehmer in der Zentrale, in der nicht ausgebildet wird, weggelassen worden.“

In der Tat: Werden die Mitarbeiter, die in der BfG-Zentrale arbeiten, in die Berechnung mit einbezogen, sieht es für das gewerkschaftliche Unternehmen nicht gerade rosig aus. Die Ausbildungsquote liegt dann nämlich nicht bei 10,9 wie vom Deutschen Gewerkschaftsbund angegeben, sondern bei spärlichen 7,8 Prozent und übersteigt keinesfalls die durchschnittliche Ausbildungsquote der Branche von 8,5 Prozent. Sie liegt sogar um 0,7 Prozentpunkte darunter. Die BfG hält das ganze allerdings für ein Mißverständnis: Sie habe die Zahl der Mitarbeiter in den „inländischen Niederlassungen“ als Bezugszahl angegeben und sei davon ausgegangen, daß jeder wisse, daß die Zentrale nicht dazugehöre.

Vermutungen, die BASF wolle sich von ihrer Ruhrgebietszeche Auguste Victoria trennen, – die ZEIT hatte darüber in ihrer letzten Ausgabe berichtet –, sind nach Angaben des Chemie-Unternehmens unzutreffend. Die BASF sähe dafür keinen Grund. Nicht dementiert wird ein Interesse am Erwerb von Ruhrkohle-Aktien. Allerdings liege der BASF bis heute kein Angebot der Ruhrkohle – die rund zehn Prozent ihrer eigenen Aktien hält – oder eines Ruhrkohle-Aktionärs vor. Gunhild Freese