Die Machenschaften exotischer Investment-Gesellschaften, vor allem Bernie Cornfelds weltumspannende IOS, haben das Geschäft ausländischer Fonds in der Bundesrepublik nahezu zum Erliegen gebracht. Wird sich das ändern?

Als erster Fonds für schweizerische Aktien hat der 1949 gegründete „Schweizeraktien“ die Vertriebsbewilligung für die Bundesrepublik erhalten. Er mußte vorher die Hürden des Gesetzes über den Vertrieb ausländischer Investmentanteile und über Besteuerung der Erträge aus ausländischen Investmentanteilen vom 28. Juli 1969 nehmen.

Damit ist der Fonds „Schweizeraktien“ praktisch den deutschen Fonds gleichgestellt. Der deutsche Anleger kann von der 35 Prozent betragenden schweizerischen Quellensteuer nach dem Doppelbesteuerungsabkommen 20 Prozent in der Schweiz zurückfordern. Die verbleibenden 15 Prozent werden bei der deutschen Einkommensteuer angerechnet.

Werden die deutschen Investment-Gesellschaften künftig mehr ausländische Konkurrenten bekommen? Dafür, daß die Bundesrepublik nicht noch einmal von ausländischen Investment-Unternehmen aller Schattierungen heimgesucht wird, sorgt das genannte Gesetz. Bis es erlassen wurde, tummelten sich bei uns knapp 500 ausländische Fonds. Allein 1969 verkauften sie in der Bundesrepublik Anteile von über zwei Milliarden Mark. Ein nicht unwesentlicher Teil ist in den Folgejahren durch unseriöse Machenschaften vieler Fonds verlorengegangen.

Das hat nicht nur zu einer generellen Abneigung gegenüber Auslandsfonds geführt, sondern auch zu einem zeitweisen Vertrauensschwund gegenüber den deutschen Investmentgesellschaften. Der Absatz der Auslandsfonds schrumpfte nach Erlaß des Gesetzes schlagartig, nicht zuletzt auch deshalb, weil nur wenige Fonds bereit waren, seine Vorschriften zu erfüllen. Dazu gehört eine umfassende Publizität. Es muß ein Gerichtsstand in der Bundesrepublik sowie ein inländischer Repräsentant genannt werden. Außerdem dürfen sie bei Sparverträgen nicht mehr als ein Drittel der für das erste Jahr vereinbarten Zahlungen als Kosten vorbelasten. Unter gewissen Umständen ist dem Investmentanleger ein Rücktrittsrecht eingeräumt worden.

Diese Bestimmungen machten den Vertrieb vor allem für die sogenannten „Anlageberater“ uninteressant. Sie kassierten bis dahin von den Fondsgesellschaften sofort ihre saftige Provision, die sich nach der Abschlußsumme richtete. Die Fonds hielten sich bei ihren Kunden schadlos, indem sie die Zahlungen des ersten Anlagejahres praktisch voll mit Kosten belasteten, so daß nicht selten überhaupt keine Gutschrift erfolgte.

Der Verzicht auf die Registrierung hatte für die deutschen Anleger katastrophale Folgen. Steuerpflichtig waren für sie von da an nicht nur die jährlichen Ausschüttungen, sondern auch noch 90 Prozent vom Wertzuwachs der Anteile. Der, Besitz von Anteilen nichtregistrierter Auslandsfonds kommt praktisch einem finanziellen Selbstmord gleich.