Frank Schmolke sorgte für Aufsehen. Der Hamburger Studienrat erschien wohl sauber gekämmt zum Unterricht am Gymnasium (auch wohl gewaschen dürfen wir annehmen, da bislang unbescholtener Beamter auf Lebenszeit), hatte allerdings weder gängigen Popper- noch normalen Prolo-Look angelegt, sondern trug den roten Anzug der Bhagwanjünger, und die Mala, eine Holzkette mit dem Bildnis des indischen Meisters. Der große Guru propagiert wohl das Glücklichsein im „Hier und Jetzt“, verführte aber sonst bislang keine kleinen Kinder.

Es gab einmal eine Zeit, da teilte der Lehrer seile (meist stark vereinfachende) Weltschau den Schülern mit, denn die Pennäler waren dumm. Später fingen die Gymnasiasten plötzlich an, über Erkenntnisinteresse und Verwertungszusammenhänge im Unterricht zu diskutieren. Lang ist’s her, heute sind die Schüler wieder doof. Wer nicht schreiben kann, vermag auch nicht recht zu denken. Wir kennen das aus dem Spiegel: „Die sprachliche Ausdrucksfähigkeit ist auf ein bislang unbekanntes Minimum zusammengeschnurrt“, stellt ein Essener Literaturwissenscnaftler dort fest.

Von den Schnurren der Schüler zu deren neuerliche Naivität: Die Gefahren für diese Schülergeneration lauern offenbar überall, eben auch in der roten Gewandung des Studienrates Schmolke. Die zarten Kinderseelen vor Unbill zu schützen machten sich Bild und die Eltern auf. Die Elternratsvorsitzende in Hamburg hatte den Sachverwalter schulischer Erziehung und seine rotorangen Gesinnungsgenossen durchschaut: „Nach außen hin sind sie tolerant, freundlich und nett, aber was dann kommt, ist unterhalb der Menschenwürde.“ Erst kam aber gar nichts, dann kam die Schulbehörde zu dem Studienrat. Eine Kleiderordnung untersagt ihm nun, die „sannyasintypische Kleidung“ in der Schule zu tragen. Swami Veet Vivad alias Frank Schmolke trägt die Holzkette seither unter dem Hemd. Dörte Schubert