Freiburg

Die „Umweltschutz-Karte“ ist keine Landkarte der sterbenden Wälder, sondern ein Billiefahrschein der Freiburger Verkehrs-AG, mit dem gegen die Zerstörung der Wälder angegangen werden soll. Seit Beginn dieser Woche können die Freiburger eine Monatskarte kaufen, die nicht nur wesentlich weniger kostet als bisher (38 statt 52 Mark), sondern auch vom Karteninhaber auf andere Personen beliebig übertragbar ist. Sie gilt rund um die Uhr und für das gesamte Tarifgebiet, man kann mit ihr also die Woche über zur Arbeit und am Wochenende in die Naherholungsgebiete, etwa an den Rand des Kaiserstuhls, fahren. Die Stadt hofft, daß die „Umweltschutz-Karte“ möglichst viele Autofahrer zum Umsteigen auf die öffentlichen Verkehrsmittel bewegt.

Die Assoziation „weniger Abgas – mehr Schutz für die Wälder“ müsse den Freiburgern eigentlich besonders leicht nahezubringen sein, meint man im Bürgermeisteramt, denn der nahe Schwarzwald stirbt unübersehbar. Aber nicht nur die katastrophale Entwicklung im Wald, auch andere, handfeste wirtschaftliche Gründe haben bei der Einführung der „Umweltschutz-Karte“ eine Rolle gespielt: Der Versuch, die Kostensteigerungen im öffentlichen Personenverkehr mit Tariferhöhungen aufzufangen, ist fehlgeschlagen. Jetzt versucht die Stadt mit einer drastischen Preissenkung neue Kunden zu gewinnen und damit das Loch von 18 Millionen Mark zu stopfen, das allein im vergangenen Jahr entstand.

Die Stadt Basel hat mit einem ähnlichen Konzept bereits gute Erfahrungen gesammelt. Seit März dieses Jahres gibt es dort ein preiswertes „Umweltschutz-Abonnement“, und seitdem werden die öffentlichen Verkehrsmittel wesentlich mehr genutzt.

In der Bundesrepublik ist Freiburg die erste Stadt, die sich zu einem solchen Schritt entschließen konnte. Wie die Freiburger das neue Angebot – der Versuch ist zunächst auf ein Jahr begrenzt – annehmen, soll eine wissenschaftliche Begleitstudie feststellen. reo