Von Paul Kruntorad

Ein in Maler, ein Jurist und ein Oppositionspolitikersind die Hauptpersonen der dreiRomane, die der kroatische Erzähler, Essayist, Lyriker, Dramatiker, einer der großen Schriftsteller Mitteleuropas, in den dreißiger Jahren geschrieben hat.

Helden sind sie nicht:

  • Der Maler, Mittelpunkt des 1932 erschienenen Romans „Die Rückkehr des Filip Latinovicz“, geht an der Provinzialität seiner Heimatstadt, in die er sich nach Erfolgen in Paris zurückzieht, fast zugrunde.
  • Der Erzähler in „Ohne mich –Eineeinsame Revolution“, Justitiar eines Kartells, kritisiert die Verhaltensweise seines Generaldirektors und wird von seiner Umgebung fast zermalmt.
  • Dr. Niels Nielsen, Opponent des Diktators in „Bankett in Blitwien“, flieht vor der lebensbedrohenden Menschenverachtung und Korruption seines Landes in den Nachbarstaat, nur um dort dieselbe politische Verlogenheit zu entdecken.

Im selben Jahr wie Krležas erste beide Teile der „Blitwien“-Trilogie erschien Sartres „Ekel“, mit Sartre und mit Céline verglich die französische Kritik Anfang der sechziger Jahre den kroatischen Autor, der als Anwärter für den Nobelpreis galt und dann von seinem Landsmann Ivo Andrić überflügelt wurde. Aber Krležas Grundhaltung ist nicht die existentielle Geworfenheit des Sartreschen Protagonisten und nicht die antihumanistische Wut des französischen Arztes. Der Weltbürger und -kenner entwirft in drei Stufen eine Kritik an der mörderisch provinziellen Gesellschaft Jugoslawiens, pars pro toto, stellvertretend für die Gesamtheit der mitteleuropäischen Kleinstaaten. Er ist der Erzähler der „Balkanisierung“ Europas.

Krležza, 1893 (ein Jahr nach Tito und Andrić) als einziger Sohn eines Agramer Kommunalbeamten geboren, tritt nach einigen Jahren Gymnasium in die Kadettenschule in Luceh ein, erhält ein Stipendium für die Budapester Militärakademie „Ludoviceum“ – und entfernt sich zweimal unerlaubt, um sich der serbischen Armee anzuschließen. Die nämlich versucht in den Balkankriegen mit rumänischen, bulgarischen und griechischen Verbündeten, Südosteuropa endgültig von der türkischen Vorherrschaft zu befreien. Das erste Mal greifen ihn die österreichischen Behörden auf und schicken ihn zurück (Kroatien ist ungarische Provinz) –, das zweite Mal gerät er bei den Serben in Verdacht, ein ungarischer Spion zu sein, und wird abgeschoben.

Für die Monarchie kämpft er an der russischen Front. 1917 veröffentlicht er auf eigene Kosten sein erstes Buch und verkauft die Auflage in einem Jahr. Für sein zweites, „Drei Symphonien“, findet sich bereits ein Verlag. Er schreibt Dramen und gründet in dem neuformierten Königreich Jugoslawien eine Reihe von Zeitschriften, die wegen ihres oppositionellen Inhalts immer wieder beschlagnahmt und eingestellt werden. Das Hauptwerk der zwanziger Jahre ist ein Novellen- und Dramenzyklus, „Der kroatische Gott Mars“, über das Geschick einer Familie, der „Glembays“.