Als dreijähriges Kind beschloß er, nicht weiter zu wachsen – aber nun ist er in die Jahre gekommen: Oskar Matzerath, der glaszersingende „Held“ der „Blechtrommel“; die ist vor genau 25 Jahren erschienen, der Kerl könnte Vater sein. Vater ist er allerdings auch – vom Welterfolg des Günter Grass. Womit nicht nur die Zahlen gemeint sind – obwohl man sich der Zwei-Millionen-Auflage allein in Deutschland (und der halben Million in USA wie der zwanzig Übersetzungen) nicht direkt schämen muß.

Aber allzu sehr übertrieben ist es wohl nicht, wenn man das Jahr 1959 den Beginn einer neuen deutschen Literatur nennt: Da erschien Heinrich Bölls „Billard um halbzehn“, Enzensbergers „Verteidigung der Wölfe“ und – ein Jahr vor Peter Weiß’ „Schatten des Körpers des Kutschers“ – Uwe Johnsons „Mutmaßungen über Jakob“. Und eben die „Blechtrommel“ des „Berliner Bildhauers Günter Grass“, wie er in der ersten öffentlichen Erwähnung genannt wurde.

Da begann der Siegeszug eines Romans, der von Pornographie-Schmähungen zu illustrierten Luxusausgaben seinen Weg um die Welt machte, Legende bereits zu Lebzeiten des Autors; das Vierteljahrhundert seines Prosa-Erstlings feierte er vergangene Woche mit einem rauschenden Fest. Enzensberger prophezeite bei Erscheinen „Schreie der Freude“ bei den Literaturkritikern; doch einer, dessen Urteilssicherheit und literarischer Tastsinn landesweit bekannt sind, schimpfte in einer ersten Kritik den Autor einen „Zigeunervirtuosen“ von „meist makabrem Humor“, den Roman – „voller Spielereien und Schaumschlägereien“ – „eine Trommel aus Blech – kein guter Roman“. Ein Kenner eben. F. J. R.