Die französische Regierung hat ihren ersten Renault-Konflikt durchzustehen

Von Henri Krasucki, dem Chef der kommunistischen Gewerkschaft CGT (Confederation Generale du Travail), hängt jetzt vieles ab: vielleicht sogar die gedeihliche Zukunft einer der wichtigsten Institutionen in Frankreich, des Staatskonzerns Renault.

Renault steckt in einer schweren Krise – Krasucki wiegelt seine Truppen gegen die Firmenleitung auf. Renault verlor im ersten Halbjahr 1,2 Milliarden Mark – Krasucki ruft zu Streiks auf. Renault bringt diese Woche endlich ein neues, vielleicht heilbringendes Modell heraus – Krasucki behindert die Produktion. Renault setzt große Hoffnungen auf den Pariser Autosalon, wo der neue, völlig umgearbeitete R5 (Supercinq) vorgestellt wird – Krasucki droht mit Werksbesetzungen und sorgt für negative Schlagzeilen.

Der sechzigjährige Krasucki, Mitglied des Politbüros der Kommunistischen Partei Frankreichs und seit zwei Jahren Generalsekretär der größten Gewerkschaft, sucht die Konfrontation mit der sozialistischen Regierung. Nach dem Auszug der vier KP-Minister hat er endlich freie Hand, um gegen den einstigen Verbündeten vorzugehen. Und wie immer in solche Fällen wird der staatliche Renault-Konzern zum Schlachtfeld auserkoren.

Denn Renault, bereits nach Kriegsende nationalisiert, ist ein Symbol. Arbeitgeber ist der Staat, der Konzernchef kann keine wichtige Entscheidung ohne das Einverständnis der Regierung oder gar des Präsidenten im Elysée treffen. Wer sich gegen den Renault-Boß Bernard Hanon durchsetzt, hat einen Sieg gegen die Regierung davongetragen und für die gesamte Auto-Branche wie auch für andere Wirtschaftszweige einen Präzedenzfall geschaffen.

Seit dem Sieg der Linken 1981 war der Renault-Konzern von Konflikten weitgehend verschont worden. Doch nun haben die drohenden, immer wieder hinausgeschobenen Massenentlassungen die Gewerkschaft mobilisiert. Schon hat Hanon versprochen, auf Entlassungen zu verzichten. Doch die CGT und in ihrem Schlepptau andere Gewerkschaften setzen sich darüber hinweg und gegen die technokratische „Modernisierungspolitik“ der Regierung zur Wehr.

Der Konflikt begann am 20. September mit einem Streik im Werk Le Mans – aus nichtigem Anlaß. Die Arbeiter hielten die Forderungen der Geschäftsleitung für nicht zumutbar, sie müßten angesichts der Krise ihre fünfte Urlaubswoche zwischen Weihnachten und Neujahr nehmen, statt sie frei zu wählen. Ihr Streik hatte Erfolg. Zynisch erpreßten sie Renault. Die Geschäftsleitung gab klein bei, zumal die Einführung des Supercinq-Modell gefährdet war, und gewährte den Arbeitern auch noch eine „Prämie“ von 300 Francs. Kaum war freilich in Le Mans der Friede eingekehrt, griff die Unruhe auf andere Renault-Werke über, derweil die CGT ein Ultimatum setzte: „Wenn Werksbesetzungen nötig sind, werden wir die Werke besetzten.“