Wie eine Frau zu Mann und Geld kommen wollte

Hamburg

Eine Frau um die vierzig, kurze graue Haare, wie an einem Topfrand abgeschnitten, im braven blaßblauen Faltenrock, rote Spangenschuhe, die vor fünf Jahren modern waren. Das Gesicht ist ungeschminkt. Sie trägt eine nüchterne Metallbrille. Sieht so eine Millionenerbin aus? Und doch, mit ihrer Geschichte vom Erbe in Millionenhöhe gelang es Gisela D., zwei Rentnern Geld aus der Tasche zu ziehen, insgesamt rund 22 000 Mark.

Frau D. arbeitete als Zahnarzthelferin. Sie war verheiratet mit einem Türken, der den Trauschein nur dazu benutzte, sich eine Aufenthaltsgenehmigung! zu verschaffen. Nach der Trauung verschwand er. Anfang letzten Jahres fand Gisela D. einen neuen Bekannten. Um ihn an sich zu fesseln, wollte sie ihn beeindrucken. „Da entstand die Idee“, so berichtete sie dem Richter. „Ich erzählte ihm, meine Eltern seien tödlich verunglückt und ich würde erben, so etwa eine Million.“

Die Idee schien ihr gut, denn auch dem 62jährigen Rentner Werner H., den sie bei der Konfirmation seiner Nichte kennenlernte, erzählte sie von ihrer „Erbschaft“. Die „Millionenerbin“ genoß die Aufmerksamkeiten, die ihr entgegengebracht wurden.

Onkel Werner war bestürzt

Und dann tischte sie „Onkel Werner“ eine unglaubliche Geschichte auf: Ihre Schwester wolle ihr das Erbe streitig machen, diese stecke mit ihrem Rechtsanwalt unter einer Decke, und seine eigene Nichte kassiere Schweigegelder von den beiden. Onkel Werner war bestürzt und war bereit zu helfen, was hieß, Geld vorzustrecken, bis das Erbe endlich angetreten werden konnte. Werner H. zahlte. Zunächst Hunderter, dann immer mehr in immer kürzeren Abständen. Um neue Details war Gisela D. nicht verlegen. Der Anwalt sei nach Kapstadt abgehauen, sie müsse hinterherfliegen. Dann wieder war der Anwalt auf die Seychellen ausgebüchst. „Was ich an Geld bekam, habe ich gleich ausgegeben. Für Pelze, Schmuck, Kleider. Ich habe eben gelebt.“ Eine Zeitlang wohnte sie sogar bei Rentner H. und spielte Millionenerbin, mit seinem Geld natürlich. Der nahm sogar einen Kredit über 12 500 Mark für sie auf. Als Werner H., der im Monat 1700 Mark plus Wohnbeihilfe bekommt, allein nicht mehr für Gisela D.s Bedürfnisse aufkommen konnte, bat er seinen Freund, den 71jährigen Rentner Karl-Heinz W. um Hilfe. Als guter Freund half er mit fast 8000 Mark. Ihren beiden Rettern versprach Frau D. einen Bonus von 1500 Mark, „wenn alles geregelt ist“.