Drei Aufsätze über Franz Böni und seine Bücher "Die Alpen" und "Alle Züge fahren nach Salem"

Von Helmut Schödel

Haß. Ein Abenteuerroman

"Glücklicherweise treibt man mich hinweg."

Goethe, "Wilhelm Meisters Wanderjahre".

Wir haben uns daran gewöhnt, Bücher als Waren zu verstehen, bedrucktes Papier, zwischen zwei Deckel gebunden. Bönis Bücher aber sind Teile eines großen, noch unvollendeten Romans, der statt aus Kapiteln aus verschiedenen "Büchern" besteht. Der schon öfter gegen Böni erhobene Vorwurf, er würde sich in seinen Romanen ständig wiederholen, ist also Unsinn, weil der eine große Roman, an dem er bis jetzt schreibt – geben wir ihm den Arbeitstitel "Archipel Schweiz" –, noch lange nicht vollendet ist.

Die Suhrkamp-Bücher "Die Alpen" und "Alle Züge fahren nach Salem" sind nicht zwei, sondern zusammen ein Buch jenes Romans. Behandelt wird ein genau fixierter Zeitraum: die Jahre 1970 bis 1984. Zwischenüberschriften des Bandes "Die Alpen" werden im folgenden Buch übernommen und fortlaufend numeriert. Diese Publikationsweise ist nicht nur Verlagsstrategie, sondern erklärt auch Bönis Situation. Noch bevor sein Roman zustande gekommen sein wird, ist er schon zerbrochen. Das Fragmentarische ist nicht mehr nur ein literarisches Konzept, absichtsvolle Unvollkommenheit, sondern wird selber ein Teil der Geschichte, die Böni erzählt.